Experten erwarten noch mehr Zinssenkungen der Zentralbanken | Reuters
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Konjunktur | Dienstag, 2. Februar 2016, 17:29 Uhr

Experten erwarten noch mehr Zinssenkungen der Zentralbanken

Frankfurt Volkswirte und Notenbanker rechnen wegen der jüngsten Finanzmarkt-Turbulenzen und der Sorge vor erneuten Währungsabwertungen in China mit weiteren Zinssenkungen rund um den Globus.

Zentralbanken in Europa, Kanada und Australien bereiten bereits den Boden für mögliche Schritte, während in den USA immer weniger Experten mit schnellen Zinsanhebungen rechnen. Erst im Januar hatte eine erneute Währungsabwertung in China Schockwellen durch die Märkte gesandt[nL8N14R050], die eine harte Landung der chinesischen Wirtschaft befürchten. Die Notenbank Chinas kämpft damit, den Yuan stabil zu halten.

"Das größte Risiko für die Weltwirtschaft zu diesem Zeitpunkt ist eine aggressive Abwertungspolitik in China", sagt der Chef einer europäischen Notenbank, der ungenannt bleiben wollte. "Da die Unsicherheit und die Volatilität bereits hoch sind, würde das erhebliche Folgen für alle Volkswirtschaften haben." Chinesische Aktien haben seit Jahresbeginn bereits ein Fünftel an Wert verloren, während der Rohölpreis - ein Gradmesser für die Weltkonjunktur - zeitweise auf den niedrigsten Stand seit 2003 abstürzte.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte im Januar die Tür für eine weitere Zinssenkung im März weit aufgestoßen[nL8N1554AM]. Japans Notenbank senkte unlängst überraschend ihren Schlüsselzins in den Minusbereich. Die Notenbanken Australiens, Kanadas und Schwedens wiesen ebenso auf gestiegene Risiken hin - eine mögliche weitere Lockerung ihrer Geldpolitik bleibt damit auf dem Tisch. "Die Bank von Japan sendet das bis jetzt stärkste Signal, dass die frühere angenommene Untergrenze von Null bei den Zinsen nicht mehr gültig ist," sagt etwa Deutsche-Bank-Stratege George Saravelos. Geldmarkthändler erwarten bereits, dass die EZB dieses Jahr ihren Einlagenzins auf minus 0,5 von aktuell minus 0,3 Prozent senkt.

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