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Politik | Dienstag, 2. Februar 2016, 15:29 Uhr

Im Januar drei Mal so viele Flüchtlinge wie vor einem Jahr

Berlin Die Bundesländer haben im Januar fast drei Mal so viele Flüchtlinge registriert wie vor einem Jahr.

Insgesamt wurden rund 92.000 Flüchtlinge in der sogenannten Easy-Datenbank erfasst, wie aus einer Reuters am Montag vorliegenden Statistik des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hervorgeht. In Griechenland kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) im Januar trotz des kalten Winterwetters 62.000 Menschen an. 360 Menschen starben beim Fluchtversuch in der Ägäis.

Die Easy-Zahl von insgesamt 91.671 Neuankömmlingen (Stand 31. Januar) erfasst Personen, die in den Erstaufnahmezentren der Länder registriert worden sind. Im Januar vergangenen Jahres wurden mit 32.200 deutlich weniger Asyl- und Schutzsuchende festgestellt. Dennoch stand Ende 2015 mit fast 1,1 Millionen Neuankömmlingen ein Zuwanderungsrekord.

Mit Abstand die meisten Flüchtlinge (35.822) stammten im Januar aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Etwa halb so viele (18.563) kamen aus dem Irak und Afghanistan (18.099). Mit deutlichem Abstand folgen Menschen aus dem Iran (4203), Marokko (1623) und Algerien.

Die Bundespolizei hat im Januar bei Kontrollen im Grenzgebiet 64.656 Migranten festgestellt. [nL8N15G3SI] Die weitaus höhere Easy-Zahl erklären Experten der Regierung vor allem dadurch, dass es viele Nachregistrierungen aus dem vergangenen Jahr gibt. Mit Einreisen von zeitweise 7000 Flüchtlingen oder mehr pro Tag, sei es zu einem Stau gekommen. Zudem werden von der Bundespolizei die meisten, aber nach wie vor längst nicht alle Migranten erfasst.

Dänemark will wegen der Flüchtlingskrise seine Kontrollen an der Grenze zu Deutschland um zwanzig Tage bis zum 23. Februar verlängern. Die Regierung rechne damit, dass noch immer eine große Zahl von Flüchtlingen einreisen wolle, sagte Integrationsministerin Inger Stojberg. [nL8N15H2CJ]

Jordaniens König Abdullah mahnte von der internationalen Gemeinschaft mehr Hilfe bei der Versorgung syrischer Flüchtlinge an. Das Bildungs- und das Gesundheitssystem seines Landes seien bereits überlastet. Die Jordanier litten darunter, dass sie keinen Arbeitsplatz fänden. "Früher oder später, denke ich, wird der Damm brechen", sagte Abdullah dem Sender BBC. Jordanien mit seinen rund 6,5 Millionen Einwohnern bereits mehr als 600.000 Flüchtlinge aus Syrien aufgenommen.

Vor der Küste der West-Türkei wurden erneut neun Personen tot geborgen, darunter zwei Babys. Wie mehrere hundert weitere Flüchtlinge in diesem Jahr ertranken sie beim Versuch, mit einem Boot über das Mittelmeer nach Griechenland zu gelangen.

In Deutschland stießen die Pläne von Arbeitsministerin Andreas Nahles, von Flüchtlingen per Gesetz mehr Anstrengungen zur Integration in den Arbeitsmarkt zu verlangen und ihnen notfalls Leistungen zu kürzen, auf Zustimmung bei der Bundesagentur für Arbeit (BA). Bisher kenne das Asylbewerberleistungsgesetz nicht die Philosophie des Förderns und Forderns aus der Hartz-IV-Gesetzgebung, sagte Vorstandsmitglied Detlef Scheele. [nL8N15H1WZ]

Der konservative SPD-Flügel verlangt als Reaktion auf die Flüchtlingskrise und die Terrorgefahr Zehntausende zusätzliche Polizisten und Soldaten. Allein die Bundespolizei benötige 20.000 weitere Stellen, heißt es in einem Papier des Seeheimer Kreises, über das "Bild" und die "Süddeutsche Zeitung" berichteten.

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