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Unternehmen | Dienstag, 26. Februar 2013, 17:25 Uhr

Fresenius fährt Rekordgewinn ein - Aktionäre jubeln

Bad Homburg Rekordgewinn zum 100. Geburtstag: Der Gesundheitskonzern Fresenius hat dank des florierenden Absatzes von Nachahmermedikamenten und eines stabilen Krankenhausgeschäfts 2012 so viel verdient wie nie zuvor.

"Wir gehen auch 2013 von einem starken Ergebniswachstum aus", sagte Konzernchef Ulf Schneider am Dienstag in Bad Homburg bei Frankfurt. Im laufenden Jahr peilt Schneider erstmals mehr als eine Milliarde Euro Gewinn und mehr als 20 Milliarden Euro Umsatz an.

Der 47-Jährige hat Fresenius in den vergangenen zehn Jahren durch mehrere Milliarden-Übernahmen zu einem globalen Firmen-Konglomerat ausgebaut und will dem Konzern auch künftig die Treue halten. "Ich habe keine Pläne, mich zu verändern." Die Aktionäre dürfen sich angesichts der Rekordjagd auf die 20. Dividendenerhöhung in Folge freuen. Für 2012 will Fresenius 1,10 Euro je Aktie ausschütten und damit etwas mehr als Analysten erwartet hatten. Die Ausschüttungsquote, die in den vergangenen Jahren leicht zurückgegangen war, soll in Zukunft konstant bei 20 bis 25 Prozent des bereinigten Gewinns je Aktie liegen.

Börsianer konnte Schneider damit überzeugen. Im Dax, der wegen des drohenden politisches Patts nach der Wahl in Italien auf Talfahrt ging, zählten die Aktien des hessischen Konzerns zu den wenigen Gewinnern. Fresenius-Aktien verteuerten sich um 2,5 Prozent, die Papiere der ebenfalls im Leitindex notierten Dialysetochter FMC legten um zwei Prozent zu.

FMC FÜRCHTET GEGENWIND AUS WASHINGTON

Auch FMC baute seinen Gewinn im vergangenen Jahr aus, die Aussichten sind angesichts möglicher Einschnitte im US-Gesundheitssystem allerdings weniger rosig als beim Mutterkonzern. Der seit Jahresanfang amtierende FMC-Chef Rice Powell geht im laufenden Jahr deshalb von einem stagnierenden Gewinn von 1,1 bis 1,2 Milliarden Dollar aus.

Sollten sich Demokraten und Republikaner im US-Haushaltsstreit nicht auf einen Kompromiss einigen, treten in Amerika automatische Ausgabenkürzungen in Kraft. Davon wäre auch die Bezahlung von Dialysebehandlungen für staatlich krankenversicherte Patienten betroffen, die in diesem Fall um zwei Prozent sinken würde. Der zweite Dämpfer droht 2014: Ab dann wollen die Behörden die Vergütung anpassen, da die Dialyse-Kliniken seit einigen Jahren weniger Medikamente einsetzen. Er gehe davon aus, dass die Erstattung 2014 in der Folge "leicht zurückgehen wird", sagte Powell zu Reuters.

Für den Fresenius-Konzern hat die Bedeutung der lange dominierenden Tochter FMC in den vergangenen Jahren kontinuierlich abgenommen. 2012 trug der weltgrößte Blutwäschekonzern nur noch 29 Prozent zum Ergebnis des Gesundheitsriesen mit fast 170.000 Beschäftigen bei.

GEPLATZTE RHÖN-ÜBERNAHME KOSTET MILLIONEN

Der Gewinn von Fresenius stieg 2012 um gut ein Fünftel auf 938 Millionen Euro, der Umsatz um 18 Prozent auf 19,3 Milliarden Euro - auch dank zahlreicher Übernahmen und des schwächelnden Euro. Im laufenden Jahr rechnet Schneider mit einem währungsbereinigten Anstieg des Umsatzes um sieben bis zehn Prozent. Das Ergebnis soll um sieben bis zwölf Prozent zulegen.

Besonders gut schnitt erneut die auf intravenös verabreichte Nachahmermedikamente spezialisierte Tochter Kabi ab. Sie hatte in Amerika den Großteil des Jahres ein Monopol beim Narkosemittel Propofol, weil der Konkurrent Hospira wegen Produktionspannen nicht liefern konnte. Auch bei der Krankenhaustochter Helios lief es rund, obwohl die anvisierte Übernahme des Konkurrenten Rhön-Klinikum im Sommer platzte und Fresenius 35 Millionen Euro kostete.

Die Lust auf große Übernahmen am deutschen Krankenhausmarkt hat Schneider dennoch nicht verloren. "Wir haben mit dem Angebot damals ein überzeugendes industrielles Konzept vorgelegt. Zu diesem Konzept stehen wir nach wie vor, wenn es sich einmal ergeben sollte." Derzeit gebe es in der Causa Rhön allerdings keine Neuigkeiten. Große Übernahmen mit einem Kaufpreis von mehr als einer Milliarde Euro plane Fresenius derzeit nicht, sagte Schneider. Der Konzern habe jedoch zahlreiche kleine und mittelgroße Übernahmekandidaten im Visier. Im vergangenen Jahr gab Fresenius über drei Milliarden Euro für Zukäufe aus, in der Folge stiegen die Finanzverbindlichkeiten auf gut elf Milliarden Euro.

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