Reuters logo
Geistliches Oberhaupt im Iran nennt Atomgespräche zwecklos
17. Februar 2014 / 16:43 / vor 4 Jahren

Geistliches Oberhaupt im Iran nennt Atomgespräche zwecklos

Dubai/Berlin (Reuters) - Das geistliche Oberhaupt des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, sieht die Atomgespräche mit dem Westen bereits vor der neuen Verhandlungsrunde offenbar als gescheitert an.

“Ich bin nicht optimistisch bezüglich der Gespräche, sie werden nirgendwo hin führen. Aber ich lehne sie auch nicht ab”, sagte Chamenei am Montag in der Stadt Tabriz im Nordwesten des Landes nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Irna. Die Bundesregierung rief den Iran zu einer konstruktiven Haltung bei den Gesprächen auf, die ab Dienstag in Wien stattfinden.

“Was unser Außenministerium und unsere Regierungsvertreter begonnen haben, wird fortgesetzt und der Iran wird seine Zusagen nicht verletzen”, sagte Chamenei weiter. Die Gespräche seien aber zwecklos. Das geistliche Oberhaupt hat in der iranischen Politik das letzte Wort. Chamenei hat gleichwohl die Initiative von Präsident Hassan Ruhani gebilligt, zu einer Verständigung mit internationalen Verhandlungspartnern zu kommen, um den Druck durch Handelsblockaden zu lockern.

IRAN WAR ZU KONZESSIONEN NACH WIRTSCHAFTLICHEM DRUCK BEREIT

Die Wiener Verhandlungen sollen ein langfristig ausgerichtetes Abkommen erreichen. Nach jahrelangem Stillstand hatte sich der Iran im November mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland auf ein Zwischenabkommen geeinigt, im Zuge dessen der Iran zusagte, Teile seines Atomprogramms auszusetzen im Gegenzug für eine Lockerung einzelner Sanktionen. Zuvor hatte sich die Versorgungslage durch die wirtschaftlichen Strafmaßnahmen zugespitzt. Westliche Staaten sowie Russland und China werfen dem Iran vor, Atomwaffen unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms zu entwickeln.

Der Iran bestreitet das, lässt aber auch keine vollständigen Kontrollen seiner Atomanlagen zu. Vor allem Israel fürchtet eine nukleare Aufrüstung Irans, da führende Politiker in Teheran das Existenzrecht Israels in Frage gestellt hatten.

Das Auswärtige Amt in Berlin rechnet mit einem schwierigen und langwierigen Verhandlungsprozess. Teheran solle in die Gespräche mit demselben konstruktiven Geist hineingehen, mit dem die Vorbereitungsgespräche in Genf geführt worden seien, sagte Sprecher Martin Schäfer. Sollte es nötig sein, werde auch Außenminister Frank-Walter Steinmeier nach Wien reisen.

In Moskau bemühte sich der iranische Botschafter um eine Verstärkung der wirtschaftlichen Beziehungen seines Landes zu Russland. Russland könnte den Auftrag für den Bau eines Atomkraftwerks bekommen und Lkws sowie Eisenbahnschienen in den Iran liefern, sagte Botschafter Mehdi Sanaei der Zeitung “Kommersant”. Im Gegenzug würde der Iran Öl nach Russland exportieren. Dagegen hatten die USA bereits früher gewarnt, Tauschgeschäfte gegen Öllieferungen würden die Erfolgsaussichten für die Atomverhandlungen gefährden.

Auch die deutsche Landwirtschaft gehört zu den Nutznießern der Lockerung der Sanktionen. Noch in diesem Monat sollen 195.000 Tonnen Weizen mit drei Frachtschiffen in den Iran ausgeführt werden. Nach Angaben europäischer Händler sind im Januar bereits 250.000 Tonnen Weizen exportiert worden. Im vergangenen Jahr waren insgesamt 119.000 Tonnen deutscher Weizen in den Iran transportiert worden. “Ich glaube, Deutschland wird weiterhin einer der größten Weizen-Lieferanten sein, so wie im vergangenen Jahr”, sagte ein Händler.

Unsere WerteDie Thomson Reuters Trust Principles
0 : 0
  • narrow-browser-and-phone
  • medium-browser-and-portrait-tablet
  • landscape-tablet
  • medium-wide-browser
  • wide-browser-and-larger
  • medium-browser-and-landscape-tablet
  • medium-wide-browser-and-larger
  • above-phone
  • portrait-tablet-and-above
  • above-portrait-tablet
  • landscape-tablet-and-above
  • landscape-tablet-and-medium-wide-browser
  • portrait-tablet-and-below
  • landscape-tablet-and-below