Konjunktur | Donnerstag, 7. Februar 2013, 17:48 Uhr

Bank of England soll behutsam umgekrempelt werden

London Die britische Notenbank steht unter neuer Führung nicht vor radikalen Veränderungen.

Der designierte Chef der Bank of England, Mark Carney, sagte am Donnerstag in London, es müsse vorsichtig agiert werden. Die Geldpolitik zu überprüfen, sei gleichwohl wichtig. "Allerdings sollte die Hürde für Veränderungen sehr hoch liegen."

Carney wird in der 318-jährigen Geschichte der Zentralbank der erste Ausländer an deren Spitze. Der Kanadier, bisher in seiner Heimat Notenbankchef, übernimmt den Posten Anfang Juli. Das britische Pfund verteuerte sich nach seiner Rede im Parlament, weil Investoren keine Anzeichen für eine lockere Geldpolitik ausmachen konnten. Carney sagte, flexible Inflationsziele, wie sie in Kanada und Großbritannien angewendet würden, hätten sich als sehr effektive Instrumente in der Geldpolitik erwiesen. Er gab zudem keinen Hinweis, dass die Notenbank unter seiner Führung Anleihe-Rückkäufe forcieren könnte.

Der Notenbanker hat sich in der Finanzkrise einen guten Ruf erworben. Nach seinem Amtsantritt bei der Bank of Canada 2008 hat er das nordamerikanische Land erfolgreich geschützt. Kanada kam trotz der Nähe zu den USA, wo die Probleme ihren Anfang nahmen, besser als andere Länder durch die Krise. Das führen Ökonomen unter anderem auf viele unkonventionelle Hilfsmaßnahmen sowie eine bis dato undenkbare Klarheit in der Kommunikation zurück. Carney erhöhte dann viel früher als andere Staaten die Zinsen wieder, während etwa die USA und Japan noch immer mit extrem billigen Geld die Märkte fluten, was aus Sicht von Kritikern die nächste Krise auslösen könnte.

BANK OF ENGLAND TASTET LEITZINSEN NICHT AN

Die Bank von England teilte unterdessen mit, den Leitzins bei 0,5 Prozent zu belassen. Am Finanzmarkt war die Entscheidung erwartet worden. Am Mittwoch hatte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) die Notenbank in ihrem Länderbericht zu Großbritannien aufgefordert, notfalls mehr Anleihen zu kaufen und damit zusätzliches Geld in die Wirtschaft zu pumpen.

Bislang hat der im Sommer in den Ruhestand gehende Notenbankchef Mervyn King für 375 Milliarden Pfund Anleihen der Regierung gekauft - mit geringem Erfolg. Die Wirtschaft des stark vom Finanzplatz London abhängigen Landes hat in den zurückliegenden vier Jahren zwei Rezessionen durchgemacht und steht an der Schwelle zu einem dritten Abschwung.

Wie die Bank of England weiter mitteilte, reinvestiert sie im März auslaufende Staatsanleihen aus ihren Beständen wieder in neue Bonds - insgesamt nimmt sie dafür gut 6,5 Milliarden Pfund in die Hand. Zugleich kündigte sie an, notfalls noch mehr Staatsanleihen zu kaufen, um die Wirtschaft zu stimulieren. In einem ungewöhnlichen Schritt veröffentlichten die Notenbanker darüber hinaus ihre Einschätzung der gegenwärtigen Lage der britischen Konjunktur: "Die Wirtschaft ist auf dem Weg einer langsamen, aber konstanten Erholung. Allerdings gibt es bedeutende Risiken für diese Annahme - nicht zuletzt durch die Krise in der Euro-Zone."

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