Ausland | Sonntag, 24. Februar 2013, 15:57 Uhr

Ägypten zieht nach Kritik von Christen Wahlbeginn vor

Kairo Nach Protesten von Christen hat der ägyptische Präsident Mohamed Mursi die Parlamentswahl im April vorgezogen.

Mursi legte den Beginn der Abstimmung um fünf Tage auf den 22. April vor, wie sein Sprecher am Wochenende mitteilte. Damit kollidiert die Wahl nicht mehr mit dem Osterfest der koptischen Christen, die zehn Prozent der ägyptischen Bevölkerung stellen. Doch die Einigung mit Christen vermochte den tiefen Riss zwischen den regierenden Islamisten und der weltlichen Opposition nicht kitten, wie er im Boykottaufruf des liberalen Mursi-Gegners Mohamed ElBaradei deutlich wurde.

Die Wahl selbst soll sich dann bis Juni hinziehen. Grund für die lange Dauer ist, dass die Behörden nicht ausreichend Personal zur Überwachung aller Wahllokale haben. Bereits die vorangegangene Wahl fand von November 2011 bis Januar 2012 statt. Damals waren die Islamisten stärkste Kraft geworden.

Mursi will mit der Wahl den Schlussstein für die Umwandlungen nach dem Sturz des langjährigen Machthabers Husni Mubarak setzen. Die Muslimbruderschaft, die den gewählten Staatschef unterstützt, hat seither alle Abstimmungen gewonnen.

Die Lage in Ägypten hatte sich zuletzt wieder zugespitzt. Anlässlich des zweiten Jahrestags des Aufstands gegen Mubarak zogen in den vergangenen Wochen in mehreren Städten zahlreiche Ägypter auf die Straßen, um gegen den Islamisten Mursi, die neue Verfassung und vor allem den Einfluss der Muslimbruderschaft auf Politik und Regierung zu demonstrieren. Dabei kam es zu teils schweren Ausschreitungen, etwa 60 Menschen starben. Die instabile Lage wirkt sich auch auf die Wirtschaft des nordafrikanischen Landes aus. Die seit über zwei Jahren immer wieder aufkommenden Krawalle schrecken viele Touristen ab.

Der liberale Oppositionelle Elbaradei rief am Samstag zum Boykott der Wahl auf. Er wolle den herrschenden Islamisten nicht die Hand zum Betrug reichen, erklärte der frühere Chef der UN-Atomaufsicht IAEA. Bei anderen Gruppen der Opposition stieß sein Vorstoß auf Zurückhaltung.

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