Markte | Freitag, 14. Dezember 2012, 15:16 Uhr

US-Haushaltsstreit lähmt Dax-Anstieg

Frankfurt Trotz zuversichtlich stimmender Konjunkturdaten aus China haben sich die Dax-Anleger am Freitag kaum aus der Deckung gewagt.

Der deutsche Leitindex notierte bei dünnen Umsätzen 0,1 Prozent höher bei 7588 Zählern. Auch der Euro bewegte sich lediglich in Trippelschritten vorwärts. Belastend wirkte sich vor allem der anhaltende US-Haushaltsstreit aus: "Die Verhandlungen bis zur letzten Minute bringen Unsicherheit in den Markt und verleiten zu Gewinnmitnahmen", schrieb Roger Peeters, Analyst von Close Brothers Seydler, in einem Kommentar. Seit Jahresanfang hat der Dax um knapp 29 Prozent zugelegt.

Republikaner und Demokraten müssen bis Jahresende einen Kompromiss finden, sonst treten automatische Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen im Volumen von rund 600 Milliarden Dollar in Kraft. Dies könnte die USA laut Experten in eine Rezession stürzen. Bislang scheinen die politischen Fronten aber verhärtet: Die Demokraten verlangen höhere Steuern für die Reichen, die Republikaner lehnen jede Steuererhöhung ab und argumentieren, dies wäre Gift für die Konjunktur.

Neue Konjunkturdaten aus den USA hatten zunächst keine Auswirkung auf die Märkte. An der Wall Street zeichnete sich ein etwas festerer Handelsstart an. Der EuroStoxx50 lag bei 2625 Zählern knapp im Minus.

CHINAS INDUSTRIE AUF ERHOLUNGSKURS

Erfreut nahmen die Anleger dagegen zur Kenntnis, dass sich Chinas Industrie weiter auf Erholungskurs befindet. Nach vorläufigen Daten ist der Einkaufsmanagerindex der Großbank HSBC im Dezember auf 50,9 Punkte gestiegen - das ist der höchste Stand seit 14 Monaten. Dies gab auch den Preisen am Rohstoffmarkt Auftrieb: Das Nordsee-Öl Brent verteuerte sich um 0,7 Prozent auf 108,68 Dollar je Barrel. Die Sorte WTI aus den USA kostete mit 86,33 Dollar 0,5 Prozent mehr.

Auch der Euro profitierte zunächst von dem wiedererwachten Risikoappetit und stieg bis auf 1,3119 Dollar, den höchsten Stand seit Anfang Dezember. Im Handelsverlauf gab er seine Gewinne allerdings wieder ab und pendelte um seinen New Yorker Vortagesschluss von 1,3077 Dollar. So kurz vor Jahresschluss sei der Handel sehr volatil und nicht unbedingt immer nachrichtengetrieben, erklärte ein Händler.

AUSSICHT AUF ABSATZREKORD IN USA TREIBT DAIMLER

Die größten Gewinner am deutschen Aktienmarkt waren Daimler mit einem Plus von zwei Prozent. Die Aussicht auf einen US-Absatzrekord von Mercedes trieb die Papiere an. Der Chef von Mercedes Benz USA, Steve Cannon, hatte am Donnerstag in Detroit gesagt, bis zum Jahresende würden mehr als 270.000 Fahrzeuge abgesetzt. "Solche Aussagen schaden den Aktien sicherlich nicht", sagte ein Händler. BMW notierten 1,5 Prozent fester, Volkswagen 0,5 Prozent.

Zugegriffen haben die Investoren auch bei Fresenius. Der Gesundheitskonzern will sich von seiner verlustbringenden Biotechnologie-Tochter trennen und führt derzeit Gespräche mit mehreren Interessenten über einen Verkauf. Die Aktien verteuerten sich um 1,2 Prozent.

Auf der Verliererseite standen erneut die Aktien der Deutschen Bank. Die Papiere rutschen um 2,3 ab und haben in dieser Woche bisher 5,7 Prozent verloren. "Da kommt alles zusammen: Die gestrige Gewinnwarnung, die Ermittlungen wegen möglichen Steuerbetrugs und der Kirch-Prozess. Da sind offenbar einige Fondsmanager heute morgen aus ihren Meetings gekommen und verkaufen die Papiere", sagte ein Händler. Das Oberlandesgericht München entschied, dass die Bank den Erben des Medienunternehmers Leo Kirch Schadenersatz zahlen muss. Über die Höhe müsse ein Gutachten entscheiden. Der im vergangenen Jahr verstorbene Kirch hatte der Deutschen Bank vorgeworfen, sie habe 2002 durch Äußerungen des damaligen Bankchefs Rolf Breuer seine Kreditwürdigkeit in Zweifel gezogen und damit den Zusammenbruch seines Konzerns ausgelöst.

Kräftig zulegen konnten ProSiebenSat.1, die im MDax um 4,1 Prozent anzogen. Der Medienkonzern verkauft seine skandinavischen Sender an das US-Fernseh-Unternehmen Discovery Communications und bewertet den Geschäftsbereich mit 1,325 Milliarden Euro. Zugleich will ProSieben mithilfe des eingenommenen Geldes die Dividende erhöhen. Insgesamt will ProSieben rund 1,2 Milliarden Euro an seine Aktionäre ausschütten, je Aktie sollen sie circa 5,60 Euro bekommen.

Auf der Gewinnerseite standen im MDax auch SGL Carbon mit einem Aufschlag von 3,6 Prozent. Der Karbonfaserhersteller will wegen der schwächelnden Nachfrage Kosten einsparen und in einem Werk in Schottland die Kapazitäten zeitweise zurückfahren.

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