Unternehmen | Donnerstag, 28. Februar 2013, 14:57 Uhr

Hochtief-Chef sagt Hälfte des Europa-Geschäfts "Adios"

Düsseldorf Die neuen spanischen Eigner machen mit dem Umbau von Hochtief ernst: Konzernchef Marcelino Fernandez Verdes trimmt den Essener Konzern auf Gewinn.

Der vom Großaktionär ACS entsandte Manager stellt die Hälfte des Europa-Geschäfts zur Disposition. Das macht nur noch einen kleinen Teil des weltweit agierenden Konzerns aus - es fährt etwas über zehn Prozent des Umsatzes ein - und schrieb 2012 Verluste. Verdes will hier einen Stellenabbau nicht ausschließen.

Trennen wolle sich der Essener Konzern weiter auch von seinem Flughafengeschäft, sagte Verdes bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Hochtief-Chef am Donnerstag in Düsseldorf. Der vor 140 Jahren gegründete Konzern soll zurück zu den Wurzeln und sich auf den klassischen Baubereich konzentrieren - damit will der vom Großaktionär ACS entsandte Verdes Hochtief profitabler machen. In Infrastrukturprojekten wie dem Bau von Verkehrswegen, Flughäfen oder Brücken sieht der Manager die Zukunft.

GEWERKSCHAFTEN ALARMIERT

Rund 5700 der weltweit knapp 80.000 Hochtief-Mitarbeiter könnten einen neuen Arbeitgeber erhalten: Der neue Hochtief-Chef kündigte den Verkauf des Bereichs Service Solutions an, der die Bewirtschaftung von Gebäuden übernimmt. Für mehrere Immobilienentwickler sucht Verdes außerdem Partner. Zu weit will der Spanier aber nicht gehen. Der Konzern werde ein in Deutschland börsennotiertes Unternehmen mit Hauptsitz in Essen bleiben, versicherte Verdes erneut: "Ich werde Hochtief nicht zerschlagen."

Mit seinen Ankündigungen rief Verdes die Gewerkschaft IG Bau auf den Plan, deren Vertreter im Hochtief-Aufsichtsrat noch im November einmütig für ihn gestimmt hatten. Eine Neuausrichtung des Konzerns auf Kosten der Beschäftigten sei mit der IG Bau "nicht zu machen", warnte Gewerkschaftschef Klaus Wiesehügel. Zugleich forderte die IG Bau, dass Einnahmen aus einem Verkauf der Geschäfte zur Stärkung des deutschen Baugeschäfts eingesetzt werden müssten. Verdes sagte bereits zu, bei einem Verkauf auch auf die Belange der Arbeitnehmer zu achten.

HOCHTIEF GEHT NICHT DEN BILFINGER-WEG

Die bereits angekündigten Verkäufe von Flughafen- und Immobilienbeteiligungen will Verdes zugleich vorantreiben, auch wenn sich die seit Jahren geplante und immer wieder gescheiterte Trennung von den Flughäfen "weiterhin schwierig" gestalte. Finanzchef Peter Sassenfeld wollte nicht ausschließen, dass die Flughafen-Anteile auch in mehreren Schritten verkauft werden könnten. Unter Wert wolle Hochtief sie aber nicht abgeben, versicherte er. Insgesamt nehme sich der Konzern zwei Jahre für die Verkäufe Zeit. Verkaufserlöse will Verdes zum Schuldenabbau nutzen, zudem wolle Hochtief auch in das Kerngeschäft Infrastruktur investieren. Hochtief schlägt damit einen anderen Weg ein als Konkurrent Bilfinger, der das Service-Geschäft forcieren will.

Verdes hatte nach seiner Amtsübernahme im vergangenen November alle Unternehmensteile auf den Prüfstand gestellt. Der spanische Konzern hatte sich nach einem langen Übernahmekampf 2011 die Mehrheit an Hochtief mit Auslandstöchtern wie Leighton gesichert. In der Belegschaft waren dann immer wieder Befürchtungen laut geworden, ACS könne Hochtief zerschlagen.

"PROFITABILITÄT" ALS MANTRA

Verdes kann mit einem Gewinn im Rücken die Neuausrichtung des Konzerns in Angriff nehmen. Das Jahr 2012 schloss Hochtief mit einem Ergebnis vor Steuern von 546,4 Millionen Euro ab - vor Jahresfrist stand nach Problemen bei der australischen Leighton noch ein Verlust von 127 Millionen Euro in den Büchern. Unter dem Strich blieb ein Gewinn von 158,1 (Vorjahr: minus 160,3) Millionen Euro. Und anders als 2011 sollen die Anteilseigner um ACS eine Dividende erhalten: 1,00 Euro je Anteilsschein will Hochtief für 2012 zahlen.

Hochtief blieb damit aber hinter den Erwartungen des Marktes zurück. Von Reuters befragte Analysten hatten unter anderem mit einer Dividende von 1,22 Euro je Aktie gerechnet. Die zuletzt auf ein Jahreshoch von 55,68 Euro gestiegenen Hochtief-Aktien verloren deutlich - sie notierten am Mittag mit minus sechs Prozent bei 52,22 Euro. Das muss nicht so bleiben: Die Zahlen für 2012 seien zwar enttäuschend, doch könne die neue Strategie der Aktie mittelfristig wieder auf die Sprünge helfen, schrieben Analsten der DZ-Bank. Verdes versuchte sehr deutlich zu machen, wohin die Reise gehen soll: "Profitabilität" war seine mit Abstand am häufigsten benutzte Vokabel.

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