IWF: Deutschland droht 2009 Stagnation
Washington/Berlin (Reuters) - Die deutsche Wirtschaft bekommt die Folgen der weltweiten Finanzkrise im kommenden Jahr mit voller Wucht zu spüren.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) befürchtet eine Stagnation. Auch die Bundesregierung geht einem Zeitungsbericht zufolge davon aus, dass das Wachstum fast zum Erliegen kommen wird.
"Die Weltwirtschaft steuert angesichts des gefährlichsten Finanzschocks der entwickelten Finanzmärkte seit den 30er Jahren auf einen großen Abschwung zu", hieß es in dem am Mittwoch in Washington veröffentlichten Weltwirtschaftsausblick des IWF. Dem könne sich Exportweltmeister Deutschland nicht entziehen. Der IWF erwartet deshalb eine Stagnation, nachdem er im Frührjahr noch ein Prozent Wachstum erwartet hatte. Das wäre die schwächste Entwicklung seit 2003 mit minus 0,2 Prozent.
Die Bundesregierung geht der "Financial Times Deutschland" zufolge nur noch von einem Wachstum zwischen null und 0,5 Prozent aus. Die Prognose von derzeit noch 1,2 Prozent werde "in Richtung Null" gesenkt, berichtete das Blatt unter Berufung auf Regierungs- und Koalitionskreise. Die genaue Prognose liege indes noch nicht fest. Gründe für die starke Senkung seien die Finanzkrise und die nachlassende Nachfrage in wichtigen deutschen Absatzmärkten.
Auch der Bundesverband deutschen Banken (BdB) rechnet wegen der Finanzkrise mit deutlichen Bremsspuren im kommenden Jahr. Er halbierte seine Prognose für das Wirtschaftswachstum auf 0,5 Prozent. "Der konjunkturelle Aufschwung in Deutschland hat nach rund dreijähriger Dauer ein Ende gefunden", sagte BdB-Vorstand Manfred Weber. Schon seit der Jahresmitte trete die Wirtschaft auf der Stelle. So erhielt die Industrie wegen der nachlassenden globalen Nachfrage acht Monate in Folge weniger Aufträge - die längste Negativserie seit 1990.
BISLANG NOCH KEINE KREDITKLEMME
Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) erwartet ebenfalls eine spürbare Konjunkturabkühlung. Der Aufschwung neige sich generell seinem Ende zu, sagte DIW-Präsident Klaus Zimmermann. Eine Rezession drohe aber nicht. "Wir gehen davon aus, dass eine Eindämmung der Finanzkrise gelingt", sagte Zimmermann. Das DIW erwartet 1,0 Prozent Wachstum nach 1,9 Prozent in diesem Jahr. Die Zahl der Arbeitslosen werde nur noch um rund 10.000 sinken. Für dieses Jahr wird ein Rückgang von knapp 400.000 erwartet.
Der IWF sieht die Wirtschaft weltweit im Abschwung. Für Großbritannien, Italien und Spanien wird sogar mit einem schrumpfenden Bruttoinlandsprodukt gerechnet. Die weltgrößte Volkswirtschaft USA werde sich mit einem erwarteten Plus von 0,1 Prozent nur einen Hauch besser entwickeln als Deutschland.
Führende Wirtschaftsverbände dämpften unterdessen die Sorgen vor einer drohenden Kreditklemme. Alle sechs von Reuters befragten Verbände sehen bislang kaum Auswirkungen der Finanzkrise auf die Realwirtschaft. "Wir spüren keinerlei Kreditklemme", sagte der Präsident des Bundesverbandes Groß- und Außenhandel (BGA), Anton Börner. "Und wir haben keine Hinweise darauf, dass es in der Zukunft schwieriger wird, Geld zu bekommen." Handel, Bau, Handwerk, Maschinenbauer und der DIHK äußerten sich ähnlich.
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