Trotz Gewinnsprung baut Novartis Management wieder um
Zürich (Reuters) - Der Schweizer Pharmakonzern Novartis hat im dritten Quartal den Gewinn um 32 Prozent auf 2,08 Milliarden Dollar gesteigert und sieht sich auf dem Weg zu einem neuen Jahres-Rekordgewinn.
Trotzdem baut der Basler Konzern nach Angaben vom Montag zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres seine Geschäftsleitung um. Es wird neu die Position eines Chief Operating Officer (COO) geben, die Jörg Reinhard am 1. Dezember übernimmt. Sein Nachfolger als Chef der Impfstoff- und Diagnostiksparte wird Andrin Oswald. Auch der mit stagnierenden Umsätzen kämpfende Generika-Bereich Sandoz bekommt einen neuen Chef: Jeff George löst Andreas Rummelt ab. Rummelt wird Group Head of Quality Assurance and Technical Operations.
Novartis erhöhte die Umsatzprognose für die Pharmasparte und rechnet jetzt dieses Jahr in seiner wichtigsten Geschäftseinheit mit einem Wachstum im mittleren einstelligen statt im unteren einstelligen Prozentbereich. Für die ganze Gruppe geht Novartis weiterhin von einem mittleren einstelligen Umsatzanstieg aus.
Im ersten Quartal wuchs der Nettoumsatz des Konzerns in Lokalwährungen um sieben Prozent auf 10,48 Milliarden Dollar. Der Pharmaumsatz erhöhte sich dank weiter anziehender Verkäufe von wichtigen Medikamenten wie dem Blutdrucksenker Diovan um neun Prozent auf 6,71 Milliarden Dollar.
Weniger gut lief das Geschäft mit den Nachahmer-Medikamenten. Der Umsatz bei Sandoz stagnierte bei 1,90 Milliarden Dollar und Novartis nahm die Prognose für das Gesamtjahr auf ein Umsatzplus im niedrigen einstelligen Prozentbereich zurück.
Novartis profitierte von einem schwachen Vorjahr, als Konkurrenz durch Nachahmermedikamente auf die Verkäufe des Blutdrucksenkers Lotrel und des Herpes-Medikaments Famvir gedrückt hatten und der Konzern in den USA das Reizdarm-Mittel Zelnorm vom Markt nehmen musste.
In den USA will Novartis weitere 550 Vollzeitstellen abbauen. Dank des Effizienzsteigerungsprogramms "Forward" sparte der Konzern dieses Jahr bisher 714 Millionen Dollar ein und liegt damit nach Angaben vor dem Zeitplan. Im Zeitraum 2008 bis 2010 sollen die Kosten insgesamt um 1,6 Milliarden Dollar sinken.
Die Finanzkrise hat nach weiteren Angaben nur minimale direkte Auswirkungen auf das Treasury der Gruppe. Novartis sein nicht an insolventen Finanzinstitutionen beteiligt und halte auch keine Anleihen von solchen Firmen. Und der Konzern habe keine Probleme, in den USA Commercial Papers auszugeben.
An der Börse stieß der Quartalsabschluss nicht auf Applaus. Nach anfänglichen Kursgewinnen rutschten die Novartis-Aktien ins Minus und notierten am späten Vormittag 2,3 Prozent schwächer bei 58,15 Franken. Die Genussscheine von Konkurrent Roche hingegen lagen gut zwei Prozent im Plus und der europäische Gesundheitssektor tendierte nahezu ein Prozent fester.
Analysten sprachen von einem soliden Quartalsabschluss. "Neue Produkte werden aber erst markant ab 2010 zu Buche schlagen, allerdings auch neue Patentabläufe", sagte ZKB-Analyst Michael Nawrath.
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