Deutsche Post peilt 2009 Rückkehr in die Gewinnzone an

Freitag, 14. November 2008, 11:14 Uhr
 

Istanbul (Reuters) - Die Deutsche Post will im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreiben.

Wenn wie geplant ein Großteil der geplanten Milliarden-Abschreibungen noch im laufenden Jahr verbucht wird, "haben wir 2009 keinen Verlust", sagte Konzernchef Frank Appel am Donnerstagabend in Istanbul. Das operative Geschäft solle sich im kommenden Jahr wieder besser entwickeln.

Die Post hatte Anfang der Woche ein radikales Sanierungsprogramm für ihr defizitäres US-Expressgeschäft angekündigt. Dort sollen 2008 insgesamt rund 15.000 Mitarbeiter der Tochter DHL entlassen werden. Die Belastungen für den US-Umbau häufen sich mittlerweile auf 3,9 Milliarden Dollar. Weitere Kosten erwartet Appel hierfür nicht. "Wir werden damit auskommen", sagte er. Außer diesen Belastungen kommen auf die Post mögliche Abschreibungen unter anderem auf immaterielle Vermögenswerte zu, die etwa eine Milliarde Euro betragen werden. Weil ein Großteil davon bereits im laufenden Jahr verbucht werden soll, erwartet der Konzern einen Verlust. Eine Dividende auf der Vorjahreshöhe von von 90 Cent solle es für 2008 aber trotzdem geben, bekräftigte Appel. Auch seien Überlegungen für eine Sonderausschüttung wegen des Verkaufs der Postbank an die Deutsche Bank nicht vom Tisch. Eine Entscheidung darüber werde aber nicht vor März getroffen.

APPEL - SIND NICHT AUF UPS ANGEWIESEN

Teil der Pläne für das US-Expressgeschäft ist auch eine Zusammenarbeit mit UPS. Der Erzkonkurrent soll in den USA Sendungen mit seinen Flugzeugen transportieren, damit die Post sie in ihr internationales Verteilnetz einspeisen kann. Die seit Monaten laufenden Gespräche mit UPS seien "ergebnisoffen", sagte Appel. Ob eine Einigung möglich ist, werde sich in den kommenden Wochen zeigen. Die Post könne auch auf andere Dienstleister als UPS zurückgreifen, machte Appel deutlich.

Nach Jahren der Expansion durch milliardenschwere Zukäufe unter seinem Vorgänger Klaus Zumwinkel will Appel nun die "Potenziale" heben, die in Konzern schlummern. Zumwinkel hatte den ehemaligen Staatsmonopolisten zu einem weltweit agierenden Logistik-Konzern umgekrempelt und auch das US-Engagement angestoßen. "Wir müssen das Potenzial des Portfolios erschließen", betonte Appel nun auf die Frage nach seiner Vision für die Post. Die Kontraktlogistik, das Speditions- und das Expressgeschäft seien Bereiche, in denen die Post führende Positionen einnehme und in denen sie bei einer Konjunkturerholung profitieren werde. Das deutsche Briefgeschäft stehe trotz aller Potenziale im Logistik-Geschäft nicht zur Disposition, betonte Appel: "Wir werden die Post nicht verkaufen."