LBBW will Milliarden von Eignern und Fusion mit BayernLB

Freitag, 21. November 2008, 13:09 Uhr
 

Stuttgart (Reuters) - Die größte deutsche Landesbank LBBW will fünf Milliarden Euro frisches Kapital von ihren Eigentümern.

Diese im ersten Quartal 2009 zu erbringende Einlage sei notwendig, um die Kernkapitalquote der Bank auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau von mehr als neun Prozent zu bringen, heißt es in einem Reuters vorliegenden Papier der Bank für die an diesem Freitag stattfindende Eigentümerversammlung. Die LBBW gehört dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart und den Sparkassen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz.

Zudem will der Vorstand verbindliche Fusionsverhandlungen mit der BayernLB aufnehmen und dabei darauf dringen, dass der Hauptsitz eines fusionierten Instituts in Stuttgart bleibt. Der LBBW-Vorstand rechnet bei einer Zusammenlegung und Restrukturierung der Geschäfte mit einem Arbeitsplatzabbau. Eine mit der Situation vertraute Person sagte, bis zu 4000 Stellen könnten wegfallen.

Die LBBW zollt damit der Finanzkrise Tribut, die das Eigenkapital stark gemindert hat. Ende Juni lag die Kernkapitalquote bei 7,3 Prozent, ohne eine Kapitalspritze läge sie Ende des Jahres wegen hoher Verluste voraussichtlich nur noch bei sechs Prozent. "Inzwischen werden von Investoren, Ratingagenturen und Aufsichtsbehörden faktisch neun bis zehn Prozent Kernkapitalquote gefordert", begründete der Vorstand seine Kehrtwende. LBBW-Chef Siegfried Jaschinski hatte lange auf eine hohe Kapitalkraft der Bank verwiesen und sich gegen staatliche Garantien für das Kreditgeschäft gewehrt. Wegen der der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers und des Beinahe-Bankrotts Islands verbuchte die LBBW jedoch hohe zusätzliche Verluste.

Die Kapitalspritze will Jaschinski den Eigentümern mit einer Verzinsung von zehn Prozent schmackhaft machen. Ab 2014 könne das Kapital zurückgezahlt werden, heißt es in der Vorlage. Für die Einlagen können die Träger Geld am Kapitalmarkt aufnehmen oder Rücklagen anzapfen. Baden-Württemberg kann sich beispielsweise am Kreditmarkt mit einem Zinssatz von vier bis sechs Prozent refinanzieren. Für die Kapitalhilfe könnte die Bank auch das Rettungspaket des Bundes in Anspruch nehmen. Die Rekapitalisierung durch die Eigentümer habe jedoch große Vorteile, da der Bund dann keinen Anspruch auf Ausschüttung habe und sich nicht in die Steuerung der Bank einmischen könne, heißt es in dem Vorstandspapier.

ZÜNDSTOFF BAYERNLB

Mit der von Jaschinski vorgesehenen Rolle der BayernLB als Juniorpartner ist ein erster Konflikt in den anstehenden Gesprächen programmiert. Die LBBW pocht darauf, dass bei einer Fusion mit dem angeschlagenen Münchner Institut Hauptsitz und Steueraufkommen in Stuttgart verbleiben. Der neue bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) dürfte seinem Stuttgarter Kollegen Günther Oettinger (CDU) diesen Triumph kaum gönnen. Die LBBW beschäftigt rund 12.300 Mitarbeiter, die BayernLB mehr als 19.000.