Telekom-Finanzmann Eick soll Arcandor gesunden lassen

Mittwoch, 3. Dezember 2008, 17:15 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - "Wir wollen nicht länger der 'angeschlagene Handelskonzern' sein", rief Thomas Middelhoff den Aktionären von KarstadtQuelle zu, kurz nachdem er das Steuer in Essen übernommen hatte.

Das war im Mai 2005. Seither ist es dem früheren AOL-Manager und Bertelsmann-Chef auch mit einem tiefgreifenden Umbau nicht gelungen, den schlingernden, in Arcandor umgetauften Tanker in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. Die Probleme mit den Kaufhäusern, einst Kerngeschäft, haben Middelhoff eingeholt. Richten soll es nun Karl-Gerhard Eick: Der Finanzvorstand der Deutschen Telekom wird Anfang März Kapitän auf dem leckenden Dampfer.

'Wir wollen nicht länger der angeschlagene Handels- und Touristikkonzern sein' könnte nun sein Leitspruch sein, in den der neue Arcandor-Großaktionär, die Privatbank Sal. Oppenheim, große Hoffnungen setzt. Der neue Aufsichtsratschef Friedrich Carl Janssen selbst habe Eick vorgeschlagen, teilte Arcandor mit. Er ist persönlich haftender Gesellschafter der Bank, die Ende September im großen Stil bei Arcandor eingestiegen war und den Pool um die Quelle-Erbin Madeleine Schickedanz als größten Aktionär verdrängte.

Auch die Investoren setzen auf Eick, der als Finanzmann mit Weitblick gilt, ein offenes Ohr für Sachargumente hat, und bei der Deutschen Telekom für seine Integrität und Aufrichtigkeit geschätzt wird. Der Wechsel an der Konzernspitze sorgte für ein Kursfeuerwerk, die Arcandor-Aktie legte um bis zu 17 Prozent zu. Das Vertrauen der Anleger hat Middelhoff schon länger eingebüßt. Die Zahlen, die er bilanzierte, stellten selbst Experten vor Herausforderungen. In diesem Jahr hat die Aktie fast 90 Prozent verloren, statt bei den von Middelhoff als Ziel ausgegebenen "40 Euro plus x" steht sie bei gut zwei Euro. Ein Händler sagte, er habe zwar viel verändert, aber wenig bewirkt.

Eick kann sich endlich als Chef eines großen Konzerns beweisen. Dem Manager, der seit 2000 Finanzvorstand der Telekom und seit 2004 auch stellvertretender Vorstandschef ist, wurden mehrfach Ambitionen auf den Chefsessel in Bonn nachgesagt. Doch stattdessen übernahmen erst 2002 Kai-Uwe Ricke und Ende 2006 der frühere T-Mobile-Chef Obermann das Ruder beim Telefonriesen.

Der 54-Jährige habe sich bei der Telekom einen exzellenten Ruf erworben, urteilt LBBW-Analyst Hans-Peter Kuhlmann. Eick war maßgeblich an dem Erwerb des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream beteiligt, wodurch die Telekom in den USA Fuß fasste, heute ihr Wachstumsmarkt. Aber er kümmerte sich auch darum, die dadurch angehäufte Rekordverschuldung wieder abzutragen.

KUNSTNAME KANN PROBLEME BEI WARENHÄUSERN NICHT VERDECKEN

2004 war Middelhoff als Aufsichtsratschef bei KarstadtQuelle eingezogen. Doch die Sanierung kam nicht recht voran: Deshalb musste Vorstandschef Christoph Achenbach gehen, und Middelhoff selbst übernahm im Mai 2005 das Ruder.

Seither versucht er zu vermitteln, was er bei Arcandor alles erreicht hat. Gerne im Rampenlicht stehend, erzählt er dann, wie er die mittlerweile insolventen Einzelhandelsketten SinnLeffers, Hertie und Wehmeyer abstieß, mehrere Spezialversender und den Verlustbringer Neckermann loswurde und im Versandhandel 5000 Stellen strich. Ohne den Verkauf der Kaufhaus-Immobilien würde es Arcandor gar nicht mehr geben, betont der in Düsseldorf geborene Sohn eines Textilunternehmers stets.  Fortsetzung...