Dalai Lama bekräftigt Forderung nach Autonomie für Tibet
Brüssel (Reuters) - Der Dalai Lama hat seine Forderung nach Autonomie für Tibet im chinesischen Staatsverband bekräftigt.
Er strebe nicht nach Unabhängigkeit der Himalaja-Region, sagte das geistliche Oberhaupt der Tibeter am Donnerstag in einer Rede vor dem Europaparlament. Unverändert setze er auf Gewaltlosigkeit, um das Ziel der Autonomie zu erreichen. Bedauerlicherweise werfe China ihm das Streben nach Unabhängigkeit und nach Vertreibung von Chinesen aus Tibet vor. Das sei aber nicht seine Absicht, ergänzte der von den Abgeordneten gefeierte Dalai Lama.
China warf dem Dalai Lama vor, mit seiner Forderung nach weitreichender Autonomie die Interessen des tibetischen Volks zu missachten. "Das hat keine Zukunft", hieß es in einem Kommentar der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua. In einem anderen Artikel beschuldigte die Agentur den Dalai Lama, in Tibet einen Gottesstaat errichten zu wollen. China dagegen respektiere die Religionsfreiheit, wie die große Zahl buddhistischer Klöster und Mönche in dem Gebiet beweise. Die Regierung in Peking betrachtet das seit 1959 im Exil lebende Oberhaupt der Tibeter als Separatisten.
EU-Parlamentspräsident Hans-Gert Pöttering verteidigte die Einladung an den Dalai Lama. "Wir halten als europäisches Parlament Kurs in der Frage der Vertretung der Menschenrechte", sagte er dem RBB. "Wir wollen gute Beziehungen, partnerschaftliche Beziehungen mit China." Das Land sei ein wichtiger Partner in Fragen wie dem Kampf gegen den Klimawandel, der Finanzkrise oder der Rüstungskontrolle. "Aber wir können unsere eigenen Werte nicht aufgeben", sagte Pöttering.
Wegen eines am Samstag geplanten Treffens des französischen Präsidenten und EU-Ratschefs Nicolas Sarkozy mit dem Dalai Lama hatte China den ursprünglich für den vergangenen Montag vorgesehenen EU-China-Gipfel abgesagt. Die Pläne Sarkozys hätten "eine Menge Missfallen" beim chinesischen Volk verursacht, sagte ein Sprecher der chinesischen Außenministeriums am Donnerstag.
Zugleich erinnerte er an die Belastungen des Verhältnisses im Vorfeld der Olympischen Spiele in Peking, als es nach Störungen des olympischen Fackellaufs in Frankreich in China Boykottaufrufe und Demonstrationen gegen das Land gegeben hatte. "Wir hoffen auch, dass die chinesische Öffentlichkeit ruhig und rational mit dem gegenwärtigen Stand der chinesisch-französischen Beziehungen umgehen kann, und dass die Franzosen hart daran arbeiten, das Problem zu lösen", sagte der Sprecher.
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