Israel räumt von Siedlern besetztes Haus in Hebron mit Gewalt

Donnerstag, 4. Dezember 2008, 17:48 Uhr
 

Hebron (Reuters) - Die israelische Polizei ist am Donnerstag gewaltsam gegen radikale jüdische Siedler in der Stadt Hebron im Westjordanland vorgegangen, um ein besetztes Haus zu räumen.

Bereitschaftspolizisten drangen in das Gebäude ein, dessen Räumung ein Gericht Mitte November verfügt hatte. Mehrere Einheiten seien in dem Gebäude im Einsatz, sagte ein Polizeisprecher. Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie die Sicherheitskräfte teils um sich tretende und schreiende Siedler aus dem umstrittenen Haus schleiften. Wie viele Menschen sich zum Zeitpunkt der Erstürmung in dem Gebäude aufhielten, war zunächst unklar.

Nach Angaben des Rettungsdienstes Zaka wurden bei der Räumung Dutzende Menschen verletzt. Die Polizei habe auch Tränengas gegen die Besetzer eingesetzt. Augenzeugen berichteten, die Siedler hätten Steine auf die Sicherheitskräfte und auf Häuser von Palästinensern geworfen und sich Handgemenge mit arabischen Nachbarn geliefert.

Israels Oberstes Gericht hatte entschieden, dass die Siedler das seit März 2007 von ihnen bewohnte Haus räumen müssen. Nach eigener Darstellung hatten sie das Gebäude von einem Palästinenser gekauft, was der Mann jedoch bestreitet. Der Streit hatte seit Tagen zu gewaltsamen Auseinandersetzungen in der von 180.000 Palästinensern und rund 650 jüdischen Siedlern bewohnten Stadt geführt. Zuletzt kamen Hunderte Sympathisanten nach Hebron, um die Besetzer zu unterstützen. Am Mittwoch hatte die israelische Armee das Gebiet rund um das umstrittene Haus zum militärischen Sperrgebiet erklärt. Verteidigungsminister Ehud Barak kündigte an, die Armee werde das Gebäude bis zu einer endgültigen Gerichtsentscheidung über die Eigentumsverhältnisse bewachen.

Ministerpräsident Ehud Olmert hat wegen der Radikalisierung der jüdischen Siedler öffentlich vor einem ultra-nationalistischen Untergrund gewarnt, der eine Gefahr für Israel und seine Chance auf einen Kompromiss mit den Palästinensern darstelle. Der Chef des Siedlerrates Yesha, Danny Dayan, sagte dem Fernsehsender Channel 10, Barak begehe mit der Konfrontation einen schweren Fehler, der Extremisten in die Hände spielen werde.

Hebron ist seit langem ein Brennpunkt israelisch-palästinensischer Gewalt. Israelische Sicherheitsverantwortliche hatten befürchtet, die Spannungen um das besetzte Haus könnten auf andere Teile des Westjordanlands übergreifen.