Ärzte wecken Althaus nach schwerem Skiunfall aus Koma
Schwarzach/Liezen (Reuters) - Nach dem schweren Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus haben die Ärzte am Freitag begonnen, den Politiker aus dem künstlichen Koma aufzuwecken.
Sein Zustand sei stabil, sagte der Ärztliche Direktor des Kardinal Schwarzenberg'schen Krankenhauses, Reinhard Lenzhofer, im österreichischen Schwarzach. Es könne aber bis Samstag dauern, bis er völlig aus dem künstlichen Tiefschlaf erwacht sei. Erst dann lasse sich feststellen, ob der 50-Jährige bleibende Schäden durch die sehr schwere Gehirnerschütterung zurückbehalten wird.
Kanzlerin Angela Merkel reagierte "tief betroffen und schockiert" auf den Unfall und wünschte Althaus eine rasche Genesung. Die Amtsgeschäfte des Ministerpräsidenten übernahm seine Stellvertreterin, die thüringische Finanzministerin Birgit Diezel. Sie ist zugleich stellvertretende CDU-Landesvorsitzende. In Erfurt äußerte sie sich bestürzt über das Unglück. "Unsere Gedanken sind bei ihm, aber ganz besonders bei der Familie der beteiligten Ski-Touristin", sagte sie.
Althaus war am Neujahrstag an der Kreuzung zweier Skipisten offenbar frontal mit einer 41-jährigen Skifahrerin aus der Slowakei zusammengeprallt. Beide sollen mit mittlerem Tempo unterwegs gewesen sein. Polizei-Einsatzleiter Siegmund Schnabl wollte sich nicht zur Schuldfrage äußern. Die Unfallursache müsse ein Sachverständiger klären, sagte er in Liezen. Augenzeugen für das Unglück gebe es nicht: Sowohl der Sicherheitsbeamte, der den begeisterten Sportler Althaus begleitete, als auch der Ehemann der tödlich verunglückten Slowakin seien zu weit hinter den beiden gewesen.
Auch der Geschäftsführer des Skigebiets Riesneralm in der Steiermark, Erwin Petz, konnte sich das Unglück nicht erklären. "Es ist an einer Stelle passiert, wo man sagt, da kommt man normal gar nicht hin", sagte er. Die Unglücksstelle liegt am Waldrand, wo sich zwei Routen vereinigen. Die Piste war nach Petz' Worten in einwandfreiem Zustand, es habe dort auch keine Bodenwellen oder frühere Unfälle gegeben. Mit dem Skilift der Riesneralm seien im vergangenen Winter eine Million Menschen gefahren. Auf den 25 Pistenkilometern des Skigebiets hätten sich damals insgesamt 35 Unfälle ereignet, darunter ein leichterer Zusammenstoß.
An das Unglück selbst wird sich Althaus nach Aussage der Ärzte voraussichtlich nicht erinnern können. Althaus selbst habe zunächst jede Behandlung verweigert, sein Zustand sei nicht als bedrohlich zu erkennen gewesen, sagte ein Vertreter des Roten Kreuzes in Liezen. Auch dies sei für solche Verletzungen normal. Nach Angaben der Polizei schickte Althaus die Pistenrettung sofort zu der schwer verletzten Slowakin weiter, die beim Transport ins Hospital starb. Im Gegensatz zu der Frau habe der Ministerpräsident einen Helm getragen. Mehrere Politiker forderten daraufhin in der "Bild"-Zeitung eine Helmpflicht für Skifahrer.
Als Althaus mit dem Rettungshubschrauber im Krankenhaus eintraf, war er bereits bewusstlos und wurde künstlich beatmet. Neben einer kleineren Hirnblutung und einem Bruch im Gesicht stellten die Ärzte mehrere Prellungen fest. Dass sich die Hirnblutung über Nacht nicht veränderte, werteten sie als gutes Zeichen. Transportfähig sei er allerdings noch nicht.
Anders als im Straßenverkehr gilt in Skigebieten nicht die Rechts-vor-Links-Regel. Stattdessen hat der Weltskiverband FIS Verhaltensregeln aufgestellt, nach denen alle Skifahrer auf Sicht fahren und stets aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Wer von hinten kommt, darf die vor ihm Fahrenden beim Überholen nicht gefährden und muss ausreichend Abstand halten. Wer in eine Abfahrt einfährt, muss sich nach oben und unten vergewissern, dass er sich oder andere nicht in Gefahr bringt.
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