Auto-Verkaufszahlen weltweit auf Talfahrt
Paris/Frankfurt (Reuters) - Die weltweite Talfahrt der Autoindustrie geht in der Wirtschaftskrise ungebremst weiter.
In Japan gingen die Verkaufszahlen im Dezember um mehr als ein Fünftel zurück. Auf dem weltgrößten Automobilmarkt, den USA, meldeten die Platzhirsche GM und Ford ein Minus von jeweils gut 30 Prozent. Der japanische Weltmarktführer Toyota räumte einen Rückgang um 37 Prozent auf dem US-Markt ein. Die deutschen Hersteller schlugen sich besser, verbuchten aber ebenfalls Einbußen. In Frankreich, wo seit kurzem eine Abwrackprämie für Altautos vom Staat winkt, fiel der Einbruch weniger stark aus.
Ford verkaufte 2008 mit 1,9 Millionen Fahrzeugen in den USA ein Fünftel weniger Neuwagen als ein Jahr zuvor. Doch der Konkurrenz geht es offenbar noch schlechter. Trotz eines Einbruchs um fast ein Drittel im Dezember reklamierte Ford, der Marktanteil sei noch gewachsen. Für das neue Jahr rechnen Experten wegen des Konjunkturtiefs mit noch schlechteren Zahlen.
Die deutschen Autobauer, in den USA nur Nischenanbieter, verzeichneten dort 2008 zwar samt und sonders Absatzrückgänge. Diese hielten sich aber in Grenzen. Der dort vor einem Jahr eingeführte Kleinwagen Smart hübschte bei Daimler die Bilanz auf. Dank des über Erwarten erfolgreichen Zweisitzers hinkten die US-Verkaufszahlen nur um 1,5 Prozent hinter dem Vorjahreswert her, obwohl Mercedes-Benz ein Minus von 11,2 Prozent hinnehmen musste. Im Dezember brach der Absatz von Mercedes-Benz in den USA um 32 Prozent ein.
Volkswagen verzeichnete 2008 mit der eigenen Marke ein Minus von 3,2 Prozent. "Wir haben fünf neue Modelle auf den Markt gebracht, mit denen wie uns gegen den wirtschaftlichen Abschwung stemmen konnten", bilanzierte USA-Vertriebschef Mark Barnes. Im Dezember stand ein Minus von 14,4 Prozent zu Buche. "VW of America hat einen Plan für eine erfolgreiche Zukunft hier in den USA", sagte Barnes. Die VW-Oberklassemarke Audi setzte 2008 in den USA 6,1 Prozent weniger Autos ab.
Die Sport- und schweren Geländewagen von Porsche litten besonders unter dem zeitweiligen Benzinpreis-Schock der Amerikaner und der heraufziehenden Konjunkturkrise. Der Absatz brach 2008 um 25,2 Prozent ein. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hatte mehrfach beteuert, der Luxuswagenbauer werde keinesfalls die Preise senken und lieber weniger Autos verkaufen.
Opel versucht dagegen die Kundschaft offensiv mit Preissenkungen zu locken. Zu Jahresbeginn wurden die Modelle Astra, Corsa, Zafira und Meriva offiziell um gut acht Prozent billiger. VW, BMW und Daimler hatten vor kurzem trotz sinkender Verkaufszahlen die Preise noch erhöht. Zum Listenpreis gehen ohnehin derzeit nicht viele Neuwagen an den Kunden. Händler werben aggressiv mit Rabatten oder nutzen sogenannte Tageszulassungen, um praktisch neue Fahrzeuge als Gebrauchtwagen zu verkaufen.
FRANZOSEN NEHMEN ABWRACKPRÄMIE MIT
In Frankreich sanken die Verkäufe von Neuwagen im Dezember um 15,8 Prozent. Im Gesamtjahr gingen die Neuzulassungen um 0,7 Prozent zurück. Eine Abwrackprämie, über die auch in Deutschland diskutiert wird, dürfte den französischen Markt vor Schlimmerem bewahrt haben: Wie der Branchenverband CNPA berichtete, hat sich jeder dritte Neuwagenkäufer die Prämie gesichert. Der Staat schießt den Käufern von umweltfreundlichen Neuwagen 1000 Euro zu, wenn sie sich von einem mindestens zehn Jahre alte Fahrzeug trennen.
Die Wirtschaftskrise hinterlässt auch in Asien Bremsspuren. In Japan brach die Zahl der verkauften Autos, Lastwagen und Busse im Dezember zum Vorjahreszeitraum um 22 Prozent ein. So schlechte Absatzzahlen hatte es dort noch nie gegeben. Auch das ganze Jahr 2008 wird den Herstellern als eines der schlechtesten seit Jahrzehnten in Erinnerung bleiben: Die Zahl der verkauften Wagen sank um 6,5 Prozent auf 3,21 Millionen. Weniger Fahrzeuge hatte die Branche zuletzt vor 34 Jahren abgesetzt.
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