Abwrackprämie treibt Autoabsatz auch im Juni

Donnerstag, 2. Juli 2009, 15:14 Uhr
 

Detroit/Hamburg/Frankfurt (Reuters) - Die Abwrackprämie hat den Autoabsatz in Deutschland auch im Juni rasant in die Höhe getrieben.

Nach dem zweiten Zulassungsplus in einem Monat in Folge um 40 Prozent erwartet die Branche nun allerdings eine nachlassende Nachfrage. Die Zuwachsraten dürften in den kommenden Monaten nicht mehr die Rekordwerte der ersten Jahreshälfte erreichen, berichtete der Importeursverband VDIK am Donnertag in Bad Homburg. Der Autoverband VDA äußerte sich ähnlich. "Es wäre vermessen, die Zuwachsraten des ersten Halbjahres bei den Neuzulassungen einfach fortzuschreiben", sagte VDA-Präsident Matthias Wissmann.

Bereits im Mai waren 40 Prozent mehr Fahrzeuge zugelassen worden als ein Jahr zuvor. Damit wurden im ersten Halbjahr knapp 2,1 Millionen Fahrzeuge auf deutschen Straßen neu angemeldet, 26 Prozent mehr als vor Jahresfrist. So viele Autos wurden in den ersten sechs Monaten bereits seit zehn Jahren nicht mehr neu zugelassen.

Dem Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle lagen zuletzt knapp 1,7 Millionen Prämienanträge und Reservierungen für die Abwrackprämie von 2500 Euro vor. Damit reichten die von der Bundesregierung bis Jahresende vorgesehenen Fördergelder von fünf Milliarden Euro noch für gut 300.000 Anträge.

Gefragt waren laut Flensburger Kraftfahrtbundesamt (KBA) in der ersten Jahreshälfte vor allem sparsame Klein- und Kleinstwagen, während die Kundschaft einen großen Bogen um Autos der Mittel- und Oberklasse sowie Sportwagen schlug. VW steigerte die Neuzulassungen um 31,2 Prozent, Opel um 29,8 Prozent und Ford sogar um 44 Prozent. Bei den Importeuren machte Hyundai mit plus 131 Prozent den größten Sprung. Fiat steigerte sich um 107 Prozent. Bei der Daimler-Nobelmarke Mercedes schrumpften die Zulassungen dagegen um knapp 16 Prozent.

Der Kraftfahrzeughandel rechnet damit, dass sich viele Verbraucher einen Neuwagenkauf trotz staatlicher Abwrackprämie und Rekord-Preisabschlägen von teilweise über 7000 Euro wegen der zunehmenden Angst vor Arbeitslosigkeit künftig zweimal überlegen werden. "Der Rotstift in privaten Haushalten wird sich im zweiten Halbjahr ganz massiv bemerkbar machen", sagte der Sprecher des Zentralverbands des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK), Helmut Blümer. Der Auftragseingang schrumpfe bereits.

Dennoch halten einige Branchenvertreter einen Anstieg der Neuzulassungen in Deutschland in diesem Jahr auf bis zu vier Millionen Fahrzeuge für möglich. Prognosen von VDA, VDIK und ZDK gehen von bis zu 3,5 Millionen oder mehr aus, das wären gut 400.000 mehr als im Vorjahr. Weil viele Neuwagenkäufe wegen der auf 2009 befristeten Abwrackprämie vorgezogen wurden, rechnet die Branche im nächsten Jahr mit einem Rückgang auf unter drei Millionen. "Dieses hohe Niveau wird im kommenden Jahr sicherlich nicht zu erreichen sein", sagte VDA-Präsident Wissmann.

HOHE ZWEISTELLIGE VERKAUFSRÜCKGÄNGE IN DEN USA

In den USA, wo eine Abwrackprämie gerade erst eingeführt wird, brachen die Verkaufszahlen abermals ein. Der insolvente Opel-Mutterkonzern General Motors verkaufte auf Grundlage bereinigter Zahlen 36 Prozent weniger als vor Jahresfrist, bei Chrysler belief sich das Minus auf 44 Prozent. Ford, der als einziger US-Hersteller keinen staatlichen Überbrückungskredit in Anspruch genommen hat, hielt den Verkaufsrückgang mit minus 14,8 Prozent in Grenzen. Auch deutsche Autobauer verkauften weniger.

Trotzdem steigt auf dem wichtigste Pkw-Markt der Erde die Hoffnung auf eine baldige Wende, da der Juni den niedrigsten Rückgang seit dem Ausbruch Absatzkrise vor neun Monaten markierte. Analysten halten die von der Branche verbreitete Zuversicht allerdings für verfrüht. "Da ist noch viel Wunschdenken dabei", sagte Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler kritisierte eine Tendenz in den USA, Dinge schönzureden. Eine Erholung könne die in den USA im Volksmund "Cash for Clunkers" (Bargeld für Schrottlauben) bezeichnete Verschrottungsprämie bringen.