Britische Truppen treiben Afghanistan-Offensive voran
Sorchdos (Reuters) - Hunderte britische Soldaten haben die US-geführte Großoffensive in der afghanischen Drogenprovinz und Taliban-Hochburg Helmand vorangetrieben.
Sie brachten nach Militärangaben vom Freitag wichtige Kanalübergänge, die die riesigen Schlafmohnfelder zur Opium-Produktion und Weizenäcker zerschneiden, unter ihre Kontrolle. Gleichzeitig sollte so die Bewegungsfreiheit der Aufständischen zwischen den beiden größten Städten in Helmand - Gereschk und Laschkar Gah - gekappt werden.
Amerikanische Marineinfanteristen schwärmten derweil im Tal des Helmand-Flusses weiter durch Städte und Dörfer aus. Die Kämpfe konzentrierten sich auf einen kleinen Ort. Informationen über Opfer lagen zunächst nicht vor. Am Donnerstag waren ein US-Soldat getötet und mehrere verwundet worden. Außerdem wurde ein Afghane erschossen, nachdem er trotz mehrfacher Warnungen weiter auf die Marines zuging, wie das Militär mitteilte.
Die US-Soldaten wurden von zivilen Aufbauberatern begleitet und trafen sich mit Dorfoberhäuptern, wie Militärsprecher Bill Pelletier sagte. "Damit gehen wir vom Säubern der Gebiete dazu über, sie auf Dauer unter unsere Kontrolle zu bringen. Unsere Marines werden hierbleiben und für Sicherheit sorgen".
Der Widerstand werde bisher großteils von Gruppen von zwei oder drei Aufständischen getragen, die sich den US-Truppen entgegenstellten, sagte Pelletier. "Sobald wir gegen sie vorgehen, flüchten sie. Darauf können wir uns aber in Zukunft nicht verlassen, der Feind wird Widerstand leisten".
Die britischen Soldaten hatten ihren Einsatz bereits vor zehn Tagen begonnen. Dabei hätten sie fast 100 Sprengfallen entdeckt, teilte das Militär mit. Die Rebellen starteten zudem eine ganze Reihe von Angriffen auf die britischen Truppen, als diese die Kanalübergänge einnahmen. Ungeachtet dessen schickte das britische Militär 800 weitere Soldaten ins Feld mit dem Auftrag, in Helmands wichtigster Industriestadt Gereschk einzurücken.
Ziel der Offensive ist es, praktisch das gesamte untere Tal des Helmand-Flusses einzunehmen und das größte Opium-Anbau-Gebiet der Welt auch zu halten. Den bislang völlig überlasteten britischen Truppen in der Region war dies nicht gelungen. Die Offensive soll nun die Wende bringen. Langfristig wollen die internationalen Truppen die Einheimischen für sich gewinnen und setzen auf deren Hilfe im Kampf gegen die Rebellen.
Zugleich setzte das US-Militär auch seine Drohnen-Angriffe im pakistanischen Grenzgebiet zu Afghanistan fort. Das unbemannte Flugzeug feuerte nach Angaben pakistanischer Geheimdienstmitarbeiter in der Taliban-Hochburg Süd-Waziristan drei Raketen auf Gebäude, die unter anderem von einem berüchtigten Ausbilder von Selbstmordattentätern genutzt wurden. Zehn Extremisten sein ums Leben gekommen, hieß es. Die gesetzlose Enklave gerät zunehmend ins Visier der amerikanischen und pakistanischen Streitkräfte, weil dort auch der pakistanische Taliban-Führer und Al-Kaida-Verbündete Baitullah Mehsud vermutet wird. Die US-Regierung vermutet zudem, dass die Taliban die gebirgige Grenzregion als Rückzugsgebiet nutzen, um von dort aus Anschläge in Afghanistan vorzubereiten.
Von einem kürzlich in Afghanistan entführten US-Soldaten fehlte unterdessen jede Spur. Die Taliban hatten ihn wenige Tage vor Beginn der Offensive in der Provinz Paktika während einer Patrouille entführt. Das Militär bestätigte, dass der Soldat vermutlich von Aufständischen verschleppt worden sei.
© Thomson Reuters 2009 Alle Rechte vorbehalten.

