Regierungen treiben Pläne für Gaspipeline Nabucco voran
Ankara (Reuters) - Die Transitländer der geplanten Nabucco-Gaspipeline wollen Mitte Juli das milliardenschwere Projekt mit einer Vereinbarung vorantreiben.
Die EU-Kommission bestätigte am Freitag, dass die Unterzeichnung des zwischenstaatlichen Abkommens am 13. Juli in Ankara geplant sei. Nach Angaben des rumänischen Wirtschaftsministers Adriean Videanu ist der Streit über den Anspruch der Türkei auf große Mengen des Pipeline-Gases beigelegt. An dem Projekt, mit dem die EU ihre Abhängigkeit von russischem Erdgas verringern will, sind der Essener Energiekonzern RWE und OMV aus Österreich beteiligt.
Die "15-Prozent-Frage" sei offenbar gelöst, sagte Videanu. Diese Menge hatte bislang die Türkei für sich beziehungsweise seinen Export beansprucht und damit für Unmut gesorgt. Die anderen Transitländer Bulgarien, Rumänien, Österreich und Ungarn hatten die Sorge, dass Nabucco dadurch unrentabel wird. Videanu sagte, er kenne keine Details der Einigung mit der Türkei und auch die EU-Kommission hielt sich bedeckt. Durch die Türkei soll die größte Strecke der 3300 Kilometer langen Leitung verlaufen.
ABKOMMEN SOLL NÖTIGEN RECHTSRAHMEN SCHAFFEN
Das zwischenstaatliche Abkommen soll einen Rechtsrahmen für den Transit schaffen. Nabucco soll Gas vom Kaspischen Raum über die Türkei, Bulgarien, Rumänien und Ungarn nach Österreich transportieren. Der Bau der 7,9 Milliarden Euro teueren Röhre soll 2011 beginnen, das erste Gas 2014 strömen. Bisher kam es bei dem Projekt aber immer wieder zu Verzögerungen.
RWE begrüßte die Aussicht auf eine Vereinbarung. "Nabucco ist ein wichtiges Projekt für die europäische Versorgungssicherheit. Wenn das Regierungsabkommen unterzeichnet wird, kommen wir auf diesem Weg ein gutes Stück voran", sagte eine Sprecherin. Der Konzern war im Februar vergangenen Jahres in das Projekt eingestiegen. Neben RWE und OMV aus Österreich gehören zu dem Konsortium der ungarische Energiekonzern MOL, Botas aus der Türkei, Bulgargaz aus Bulgarien sowie die rumänische Transgaz. Jedes Unternehmen hält 16,67 Prozent der Anteile an der Betreibergesellschaft. In Konkurrenz zu Nabucco steht die geplante Pipeline South Stream, die russisches Gas nach Südeuropa liefern soll.
Das maximale Transportvolumen von Nabucco wird auf bis zu 31 Milliarden Kubikmeter jährlich beziffert. Zu Anfang sollen es jedoch nur acht bis zehn Milliarden Kubikmeter sein. Zum Vergleich: Der Jahresverbrauch in Deutschland beträgt etwa 100 Milliarden Kubikmeter. Ungeklärt ist noch, wer das Gas liefern soll. Infrage kommt neben Aserbaidschan und Turkmenistan auch der Iran, sofern die politische Lage dies zulässt. Dies würde aber unter anderem eine Normalisierung der Beziehungen zwischen der Islamischen Republik mit den USA voraussetzen.
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