Kreise: Porsche will baldige Entscheidung über Katar-Einstieg
Frankfurt (Reuters) - Das Gezerre um einen Einstieg des Emirats Katar beim hoch verschuldeten Autobauer Porsche soll Finanzkreisen zufolge bald ein Ende finden.
Bis Mitte Juli will Porsche-Chef Wendelin Wiedeking dem Aufsichtsrat des Stuttgarter Sportwagen-Herstellers einen ausverhandelten Vertrag zu einem Engagement der Araber vorlegen, wie mehrere mit dem Vorgang vertraute Personen Reuters am Freitag sagten. Der Porsche-Aufsichtsrat, der von den Familien Porsche und Piech dominiert wird, werde sich damit spätestens am 16. Juli - dem Tag des 100-jährigen Jubiläums von Audi - befassen, hieß es in den Kreisen.
Unklar bleibt aber, wie sich Volkswagen-Aufsichtsratschef und Porsche-Großaktionär Ferdinand Piech dort verhält und welchen Einfluss er auf seine Verwandtschaft ausübt. Piech hatte sich ablehnend zu einem externen Investor für Porsche geäußert. Ein Sprecher des Autobauers sagte: "(Aufsichtsratschef) Wolfgang Porsche hat noch keine Aufsichtsratssitzung einberufen."
Noch verhandeln der Porsche-Vorstand und die Araber den Kreisen zufolge über die Konditionen der Transaktion, mit der Wiedeking seine Verhandlungsposition im Poker um die Fusion mit VW deutlich verbessern könnte. Wenn es Porsche nicht gelingt, seinen durch die Übernahme von 50 Prozent an Volkswagen angehäuften Schuldenberg von mehr als neun Milliarden Euro durch die Zufuhr frischen Kapitals abzubauen, droht Porsche selbst die Übernahme durch VW statt der angepeilten Verschmelzung mit der Tochtergesellschaft.
Katar hat nach Angaben von Porsche eine Offerte für neue Porsche-Stammaktien und für die VW-Kaufoptionen aus dem Besitz von Porsche vorgelegt, die die Übernahme von 20 Prozent an VW ermöglichen würden. Damit müssten sich die Familien erstmals die Stimmrechte an Porsche mit einem Investor teilen. Eine Erhöhung des Grundkapitals müsste aber zu gleichen Teilen in Stamm- und den börsennotierten Vorzugsaktien erfolgen. Für letztere könnte es ein öffentliches Kaufangebot geben. Insgesamt hat Porsche das Volumen einer Kapitalerhöhung auf etwa fünf Milliarden Euro veranschlagt.
KREISE: NOCH KEINE AKUTEN LIQUIDITÄTSNÖTE
Porsche hatte erklärt, in den Verhandlungen mit Katar "auf der Zielgeraden" zu sein. Im VW-Umfeld war ein Interesse der Araber an Porsche aber bezweifelt worden. In Finanzkreisen hieß es nun, Katar gehe es primär um ein lukratives Finanzinvestment in einen fusionierten VW/Porsche-Konzern.
Wiedeking hatte sich mit dem Vorhaben übernommen, die Macht beim weit größeren Produktionspartner Volkswagen zu übernehmen. Das Ziel, auf 75 Prozent der Anteile zu kommen, hat er bereits aufgegeben. Die steigenden Zinslasten fressen bei rückläufigen Verkaufszahlen immer größere Teile des Gewinns aus dem Geschäft mit Sport- und Geländewagen auf. Von einer Kreditlinie über zwölf Milliarden Euro fehlen Porsche immer noch 1,25 Milliarden Euro. Der Versuch, einen Milliardenkredit von der staatlichen KfW zu erhalten, war gescheitert. In diesem Jahr würde Porsche Finanzkreisen zufolge aber nicht in Liquiditätsnöte geraten. "Das ist noch kein brennendes Thema", hieß es.
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