Putin-Sprecher: Obama weiß nicht genug über Russland

Freitag, 3. Juli 2009, 19:54 Uhr
 

Moskau (Reuters) - Russland hat die Kritik von US-Präsident Barack Obama an Regierungschef Wladimir Putin im Vorfeld des Gipfels der beiden Länder zurückgewiesen.

Putin werde das Treffen der zwei Politiker am Dienstag nutzen, um Obamas falsche Eindrücke zu berichtigen, sagte am Freitag der Sprecher des russischen Ministerpräsidenten, Dmitri Peskow. Obama sei nicht vollstens informiert. Nach seinem Moskau-Besuch werde er jedoch besser Bescheid wissen. "Ich bin mir sicher, dass Präsident Obama seine Meinung ändern wird, nachdem er Putin getroffen hat."

Obama hatte in einem Interview der Nachrichtenagentur AP Putin vorgeworfen, mit einem Bein immer noch in der Vergangenheit zu verharren. Putin müsse verstehen, dass die amerikanisch-russischen Beziehungen nicht mehr nach Art des Kalten Kriegs funktionierten, sagte der US-Präsident. Putin sei dies bereits seit langem klar, entgegnete Peskow. Der Ministerpräsident freue sich auf das auf eineinhalb Stunden angesetzte Treffen und habe vor, trotz der Kürze das meiste daraus zu machen. Peskow fügte hinzu, Putin werde versuchen, Obamas Weltsicht zu begreifen.

Putin selbst erklärte, die Russen stünden mit beiden Beinen auf der Erde und schauten in die Zukunft. "Das ist die Besonderheit Russlands." Dies habe es immer Russland ermöglicht, vorwärts zu kommen und stärker zu werden, sagte er im staatlichen Fernsehen. "Das wird so weitergehen."

Obama reist von Montag bis Mittwoch nach Moskau. Zum Auftakt trifft er den russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, mit dem er allein aus protokollarischen Gründen mehr Zeit verbringen wird als mit Putin. Nach Angaben des obersten außenpolitischen Beraters der russischen Führung, Sergej Prichodko, soll es bei dem Gipfel vor allem darum gehen, gegenseitiges Vertrauen wieder aufzubauen. Anderenfalls könnten so wichtige Themen wie die Nachfolgeregelung für den im Dezember auslaufenden Start-1-Vertrag zur Abrüstung strategischer Atomwaffen oder das von den USA geplante Raketenabwehrsystem in Polen und Tschechien erst gar nicht angegangen werden, sagte Prichodko am Freitag auf einer Pressekonferenz in Moskau. Putin betonte wenig später laut der Nachrichtenagentur Interfax, dass die USA ihre Pläne für den Raketenschild beilegen müssten. Dies würde helfen, die Beziehungen voranzubringen.