Daxvorschau: Hoffen auf positive Überraschung bei Firmenbilanzen

Sonntag, 5. Juli 2009, 11:47 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - An den Börsen erwarten die Anleger in der neuen Woche weitere Hinweise darauf, ob ihre Wette auf eine Wirtschaftserholung aufgeht.

Nachdem zuletzt vor allem volkswirtschaftliche Daten im Fokus standen, dürfte sich ab Mittwoch der Blick auf die Unternehmensseite richten. Dann eröffnet der weltgrößte Aluminiumkonzern Alcoa traditionell die US-Bilanzsaison. "Alcoa ist ein Signal. Die Zahlen für das zweite Quartal sind wohl nicht gut, aber ein positiver Ausblick könnte den Märkten nach oben helfen", sagte Jörg Rahn, der beim Bankhaus Marcard, Stein & Co. den Anlagebereich verantwortet. In der abgelaufenen Woche hat der Dax fast eineinhalb Prozent nachgegeben und notierte zuletzt bei rund 4708 Punkten.

BHF-Aktienstratege Roland Ziegler sieht die Aktienmärkte vor Beginn der Berichtssaison in einer Übergangsphase. "Bislang wurden Erwartungen gespielt, das muss irgendwann auch mit Substanz gefüllt werden. Die Märkte lauern darauf", sagte er. Aktuell notiert der Dax rund ein Drittel über seinem im März markierten Jahrestief. Analysten zufolge sind die Erwartungen zuletzt der Realität davongelaufen. Nun müssen sie sich an der Wirklichkeit der Unternehmensbilanzen messen lassen. Rahn geht von einer gesunkenen Wahrscheinlichkeit von Gewinnwarnungen aus. Kapitalmarktanalyst Stefan Scheurer von Allianz Global Investors rechnet in der Summe mit guten Nachrichten. "Die Chancen, dass es zu positiven Überraschungen kommt, stehen nicht schlecht", erklärte er. Denn im Vorfeld der Bilanzveröffentlichungen seien die Unternehmen bisher kaum mit negativen Vorabmeldungen aufgefallen.

In Deutschland werden für die neue Woche zwar noch keine Unternehmensbilanzen erwartet. Absatzzahlen von Autoherstellern und Verkehrszahlen von Fluggesellschaften geben aber Einblicke in Geschäftsentwicklungen.

EXPERTEN ERWARTEN ANSTIEG DES DEUTSCHEN AUFTRAGSEINGANGS

Hinweise auf den Zustand der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone versprechen sich Investoren von der Veröffentlichung der Mai-Auftragseingänge der deutschen Industrie. Geprüft wird, ob sich die zuletzt verbesserte Stimmung in harten wirtschaftlichen Fakten niederschlägt und sich damit eine Konjunkturwende abzeichnet. "Die Auftragseingänge in der Industrie dürften im Mai deutlich zugelegt haben", prognostizierte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. "Auch die Produktion wird wohl bald ihren Tiefpunkt erreichen, selbst wenn es im Mai noch einmal ein leichtes Minus gegeben haben könnte."

Die marktbewegenden Impulse dürften Börsianern zufolge allerdings von US-Konjunkturdaten ausgehen. Am Montag steht der ISM-Einkaufsmanager-Index für den Dienstleistungsbereich an. "Wir rechnen mit einer Fortsetzung der Erholung", prognostizierten die Volkswirte von HSBC Trinkaus. Am Freitag veröffentlicht die Universität Michigan ihren Index zum Verbrauchervertrauen. Postbank-Experte Heinrich Bayer rechnet hier mit einem leichten Rückgang. "Dies würde darauf hinweisen, dass vom privaten Verbrauch in näherer Zukunft kaum positive Impulse auf das Wirtschaftswachstum ausgehen dürften", erläuterte er. Beachtung finden an den Märkten dürften zudem die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (Donnerstag) sowie die US-Handelsbilanz (Freitag).