Software AG will IDS Scheer schlucken
Frankfurt (Reuters) - Die Software AG will mit der Übernahme von IDS Scheer einen zweiten Milliarden-Softwarekonzern in Deutschland neben SAP schaffen
Den Kaufpreis von 487 Millionen Euro für das von August-Wilhelm Scheer 1984 gegründete Unternehmen finanziert das Darmstädter Unternehmen mitten in der Finanzkrise überwiegend mit Krediten, wie Software-AG Vorstandschef Karl-Heinz Streibich am Dienstag sagte. Zusammen kommen die Saarbrücker IDS Scheer AG und die Software AG - Nummer zwei und drei in Deutschland - mit Software für die Unternehmens-Infrastruktur und Beratungsleistungen auf gut 1,1 Milliarden Euro Umsatz und beschäftigen mehr als 6000 Mitarbeiter. SAP setzt mehr als das Zehnfache um.
Die Software AG bietet mit 15 Euro je Aktie einen Aufschlag von 39 Prozent auf den IDS-Kurs vom Montag. Die Anleger halten das offenbar für zu viel: Die Software-AG-Aktie gab um fünf Prozent nach. Die Übernahme verwässere die Margen der Software AG, schrieb die Commerzbank und riet vom Kauf der Aktie ab. Die DZ Bank und die LBBW empfahlen IDS-Aktionären aber, das Übernahmeangebot anzunehmen.
Die Software AG gewinnt mit der nur etwas mehr als halb so großen und deutlich weniger profitablen IDS Scheer vor allem eine stärkere Position in der Beratung von SAP-Anwendern und bei Software zum Management von Geschäftsprozessen. Scheer und sein Mitgründer Alexander Pocsay haben zugesagt, ihre Beteiligungen von 41 und sieben Prozent abzugeben. Damit kassiert Scheer fast 200 Millionen Euro für sein Lebenswerk. Die übrigen IDS-Aktionäre erhalten im August ein Übernahmeangebot. Wenn die Software AG auf 95 Prozent der Anteile kommt, soll IDS Scheer von der Börse genommen werden.
Die Software AG hatte schon seit längerem ein Auge auf das Unternehmen geworfen. "Scheer und ich sind seit Jahren im Gespräch", sagte Streibich. "IDS war schon länger auf unserem Radarschirm. Jetzt erst war die Zeit reif." Er hoffe, dass der 67-jährige Wirtschaftsinformatik-Professor und Präsident des Branchenverbandes Bitkom auch das fusionierte Unternehmen beraten werde.
VERGLEICHSWEISE BILLIGES GELD
Mehr als zwei Drittel des Kaufpreises hat sich Software AG über Bankkredite beschafft, die bis 2012 zurückgezahlt werden sollen. "Unser robustes Geschäftsmodell und der stabile Geschäftsverlauf ermöglichen uns diese Investition", sagte der Vorstandschef. Doch seien die Banken in der Finanzkrise nicht bereit, so große Teile von Krediten zu übernehmen wie früher. Mit einem Zinssatz von 2,75 Prozent über dem Euribor-Satz kommt das Unternehmen relativ günstig an Geld. Mit 45 Millionen Euro beteiligt sich die Stiftung von Firmengründer Peter Schnell an der Finanzierung, 107 Millionen Euro kommen aus Eigenmitteln. Eine Kapitalerhöhung sei nicht geplant.
Die Übernahme soll spätestens Ende September abgeschlossen sein. Durch IDS wird die Software AG in diesem Jahr nach eigenen Angaben weit schneller wachsen als um die geplanten vier bis acht Prozent. Im zweiten Quartal hatte die Software AG um vier bis fünf Prozent zugelegt. Bei der Umsatzrendite muss sie aber Abstriche machen: Allein kam die Software AG 2008 auf eine Marge von 28,6 Prozent vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, IDS wegen eines radikalen Umbaus gerade auf 8,8 Prozent. Bis 2011 will Streibich die Marge von 21,5 auf rund 25 Prozent schrauben.
Zu Einsparungen äußerte er sich nicht. "Wir gehen zusammen, um mehr Wachstum zu erreichen", sagte Streibich nur. Es gebe keine Überschneidungen. IDS Scheer macht gut die Hälfte seines Umsatzes im deutschsprachigen Raum, bei der Software AG sind es nur noch 14 Prozent.
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