Finanzinvestor RHJ kann mit Opel-Konzept nicht punkten

Freitag, 17. Juli 2009, 17:18 Uhr
 

Frankfurt/Berlin (Reuters) - Im Rennen um Opel kann der Finanzinvestor RHJ trotz intensiver Bemühungen nicht bei Politik und Belegschaft punkten.

In der Bundesregierung gebe es "eine gewisse Präferenz" für den konkurrierenden Bieter Magna, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm am Freitag in Berlin. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte bereits am Vortag von "ausgezeichneten Ansatzpunkten" im Konzept des kanadischen Autozulieferers gesprochen. RHJ konnte mit einer Präsentation im Bundeswirtschaftsministerium am Mittwoch den Sympathievorsprung des Konkurrenten nicht wettmachen. Auch die Opel-Belegschaft und die Opel-Bundesländer ziehen Magna vor.

Der Verkaufsprozess sei allerdings noch offen, sagte Wilhelm. Magna und RHJ hätten angekündigt, in wenigen Tagen unterschriftsreife Verträge vorzulegen. Beide seien in den Verhandlungen weiter als der chinesische Hersteller BAIC, der sich ebenfalls für Opel interessiert. In den kommenden Tagen müssten aber noch wichtige offene Fragen geklärt werden.

Nach Angaben des GM-Managers Nick Reilly will der Konzern in wenigen Tagen einen Käufer für Opel auswählen. Es sei wahrscheinlich, dass GM bereits "früh in der nächsten Woche" eine Entscheidung treffe, sagte er der Agentur Bloomberg. In Teilen des GM-Managements hatte sich zuletzt eine Präferenz für RHJ abgezeichnet.

Eine endgültige Entscheidung hängt aber auch von Bund und Ländern ab, von denen alle Bieter Bürgschaften für milliardenschwere Kredite für Opel haben wollen. "Die Verantwortlichen bei General Motors müssen wissen, dass sie nicht alleine entscheiden können", sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers. "Die dürfen nicht glauben, dass sie alles nach Belieben so machen können, wie sie es wollen."

RHJ FORDERT RASCHE ENTSCHEIDUNG

RHJ-Chef Leonhard Fischer forderte in einem Interview der "Bild"-Zeitung eine schnelle Entscheidung nach der geplanten Vorlage von unterschriftsreifen Verträgen am Wochenende. Der Finanzinvestor will 50,1 Prozent an Opel kaufen und dafür insgesamt 275 Millionen Euro investieren, wie aus dem Reuters vorliegenden Konzept hervorgeht. 175 Millionen Euro sollten bei Vertragsunterzeichnung fließen, der Rest Ende 2012. GM könne mit 39,9 Prozent an Opel beteiligt bleiben, die Mitarbeiter im Gegenzug für jährliche Gehaltseinsparungen von 250 bis 300 Millionen Euro mit zehn Prozent beteiligt werden.

Magna fordert mit 4,5 Milliarden Euro deutlich höhere Staatshilfen und will Kreisen zufolge zunächst nur mit einem geringen Anteil an Eigenkapital in Opel investieren.

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