Gesamt-Rettung für Arcandor in weite Ferne gerückt

Freitag, 17. Juli 2009, 15:38 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Nach dem Rückzug von Sanierer Horst Piepenburg ist dem Handelskonzern Arcandor der Königsweg aus der Insolvenz wohl versperrt.

Als Generalbevollmächtigter wollte der Düsseldorfer Rechtsanwalt das Unternehmen mit den Karstadt-Kaufhäusern, dem Quelle-Versand und Thomas Cook ursprünglich in Eigenregie zusammenhalten und eine Zerschlagung vermeiden. Nun gab Piepenburg aber im Streit mit dem Großaktionär Oppenheim auf. Die Eigentümer der Privatbank Sal. Oppenheim forderten am Freitag ein Konzept für Arcandor, ehe sie weitere finanzielle Zusagen geben könnten. Das Konzept soll jedoch in Umrissen erst Mitte August feststehen.

Die Anleger verloren zum Wochenende weiter das Vertrauen in ein Überleben von Arcandor in seiner heutigen Form. Die Aktie brach um acht Prozent auf 44 Cent ein.

Mit dem Insolvenzexperten Piepenburg, der schon die frühere Karstadt-Tochter Sinn Leffers saniert hat, hoffte Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick auf ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Dabei leitet der Vorstand selbst die Sanierung, der Verwalter hat nur die Aufsicht. Diese Möglichkeit ist nun wohl vom Tisch. Ein Sprecher von Insolvenzverwalter Klaus-Hubert Görg sagte, er wisse nichts von Plänen zur Berufung eines neuen Generalbevollmächtigten. Ohne einen solchen Experten in der Konzernführung stimmen aber die Amtsgerichte der Eigenverwaltung in der Regel nicht zu.

GEGENSEITIGE VORWÜRFE

Die Oppenheim Holding, in der die Bankeigentümer ihre 24,9 Prozent an Arcandor geparkt haben, wies Piepenburgs Vorwurf zurück, sie verweigere Arcandor die nötigen Finanzmittel für ein Verfahren in Eigenverwaltung. Oppenheim sei "selbstverständlich an einer tragfähigen Lösung zur Sanierung des Unternehmens interessiert", vermisse aber ein Konzept. Piepenburg erklärte: "Die Unterstützung des Großaktionärs Sal. Oppenheim gibt es heute positiv nicht." Oppenheim war erst im Herbst bei Arcandor eingestiegen, um die Kredite von deren Großaktionärin Madeleine Schickedanz zu retten.

Unternehmenskreisen zufolge hatte Piepenburg gehofft, dass Oppenheim das Geld aufbringen werde. In Finanzkreisen hieß es aber: "Es hat nie eine Zusage gegeben, die Summe zur Verfügung zu stellen, die vor der Insolvenz fließen sollte." Von bis zu 40 Millionen Euro war damals die Rede. Womöglich habe Piepenburg die Hoffnung auf eine erfolgreiche Sanierung aufgegeben und einen Sündenbock dafür gesucht, hieß es in den Kreisen.

Piepenburg kündigte an, mit seinem Team zumindest bis zu der für Anfang September geplanten Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit Görg zusammenzuarbeiten. Er sprach allerdings nur noch vom "Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze und des Kernbereichs der Arcandor-Gesellschaften", der seinen Einsatz lohne, nicht mehr von einer Gesamtlösung.

Ein Sprecher Görgs betonte, dieser habe sich anders als Eick und Piepenburg nie auf einen Weg festgelegt. "Wir erhalten uns sämtliche Optionen - auch die Möglichkeit von Insolvenzplanverfahren werden wir im Auge behalten", hieß es in seiner Mitteilung. Auf dieses Verfahren setzt auch Eick: Bis Mitte August wolle er mit auf die Suche nach neuen Investoren gehen, erklärte er.  Fortsetzung...