EU-Kommission hält sich zu Lufthansa-Angebot bedeckt

Freitag, 17. Juli 2009, 16:52 Uhr
 

Brüssel (Reuters) - Die EU-Kommission hat das jüngste Angebote der Lufthansa im Streit über die Genehmigung der Übernahme der angeschlagenen Austrian Airlines zurückhaltend aufgenommen.

Die Lufthansa müsse noch Informationen nachliefern, sagte der Sprecher von EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes, Jonathan Todd, am Freitag in Brüssel. "Wir können noch nicht sagen, ob das Angebot ausreicht oder nicht", ergänzte er. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber hatte in einem Schreiben am Donnerstagabend der Wettbewerbsaufsicht neue Zugeständnisse gemacht, um deren Bedenken auszuräumen. Zuvor hatte die Airline sich gegenüber den Forderungen der Behörde taub gestellt.

Die Kommission hatte eine Entscheidung über den Zusammenschluss vor zwei Wochen verschoben, weil sie auf etlichen Strecken - darunter die Verbindung Frankfurt-Wien - den Wettbewerb gefährdet sieht und steigende Preise befürchtet. Die deutsche Fluggesellschaft müsste auf den Strecken Start- und Landerechte zu akzeptablen Bedingungen Konkurrenten anbieten.

Mit dem Angebot der Lufthansa, das das Unternehmen als "gerade noch vertretbar" bezeichnete, besteht noch eine Chance für die Rettung der hoch verschuldeten AUA. Die Offerte der Lufthansa an die AUA-Aktionäre läuft bis zum 31. Juli. Die Lufthansa will an der Übernahme nur festhalten, wenn sie bis dahin grünes Licht hat von der EU-Kommission, die neben der Fusion auch eine staatliche Beihilfe von 500 Millionen Euro genehmigen muss.

Nach Einschätzung von Katherina Kastenberger, Analystin von UniCredit, ist das neue Angebot die allerletzte Chance. Die Lufthansa sei zunächst hart geblieben, um ihre Verhandlungsposition gegenüber der EU zu stärken und die AUA zu höheren Stellenstreichungen zu zwingen. Die AUA beschloss in dieser Woche ein neues Sparprogramm über 150 Millionen Euro und will bereits 1000 Stellen streichen. Die Anleger sind zuversichtlich, dass die Übernahme nicht scheitert. Die AUA-Aktie lag mit gut fünf Prozent im Plus bei 4,05 Euro. Der Kurs liegt damit aber deutlich unter dem Angebot der Lufthansa von 4,49 Euro, was die große Unsicherheit widerspiegelt.

Auch die EU-Kommission schloss einen Kompromiss zumindest nicht mehr aus. "Wir wissen derzeit nicht, ob der Deal scheitert", sagte Todd. Die EU-Wettbewerbsaufsicht habe jedes Jahr über bis zu 400 Fusionen zu entscheiden und habe seit 2004 nur zwei Mal Nein gesagt. Vor einer Woche hatte er noch erklärt, es müsse ein Wunder geschehen, damit die Kommission bis Ende des Monats zustimme. Dieser Termin sei ohnehin nur von der Lufthansa gesetzt worden, betonte der Sprecher.