Kreditausfälle belasten Bank of America und Citigroup
New York (Reuters) - Den beiden US-Großbanken Bank of America und Citigroup macht die Wirtschaftskrise noch spürbar zu schaffen.
Im Gegensatz zu ihren Konkurrenten Goldman Sachs und JPMorgan mussten beiden Häuser im zweiten Quartal herbe Einbußen durch Kreditausfälle einstecken und konnten nicht von so starken Zuwächsen im Investmentbanking profitieren. Der Gewinn von Branchenprimus Bank of America ging deutlich zurück, die Citigroup fuhr nur dank der Auslagerung ihrer Broker-Tochter Smith Barney einen Gewinn in Milliardenhöhe ein. An der Börse herrschte dennoch Erleichterung: Analysten hatten mit schlechteren Ergebnissen gerechnet.
"Vor uns liegen noch schwere Zeiten: Die Wirtschaftskrise, steigende Arbeitslosenzahlen und eine sich verschlechternde Kreditqualität", machte der Chef der Bank of America, Kenneth Lewis, bei der Vorlage der Quartalsergebnisse am Freitag deutlich. Die größte US-Bank musste wegen einer gestiegenen Risikovorsorge im Kreditgeschäft einen Gewinnrückgang um 25 Prozent auf 2,4 Milliarden Dollar hinnehmen. Der Berg an faulen Krediten türmt sich inzwischen auf weit mehr als 30 Milliarden Dollar. Auch die einst weltgrößte Bank Citigroup legte im vergangenen Quartal deutlich mehr für ausfallgefährdete Darlehen zur Seite. Finanzchef John Gerspach stellte aber bereits eine leichte Erholung in Aussicht.
Die Citigroup überraschte ihre Investoren trotz der höheren Kreditausfälle mit einem Quartalsgewinn von 4,3 Milliarden Dollar. Das schaffte die drittgrößte US-Bank jedoch nur dank der Auslagerung von Smith Barney in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Morgan Stanley, die ihr einen Einmalertrag von knapp sieben Milliarden in die Kassen spülte. Ohne diesen hätte die Citigroup im zweiten Quartal erneut einen Verlust geschrieben - allerdings einen geringeren als Experten befürchtet haben. An der Wall Street legte die Aktie der Citigroup rund ein Prozent zu, die Aktie der Bank of America verlor knapp zwei Prozent.
IMMER MEHR US-BÜRGER VERLIEREN IHREN JOB
Die Finanzkrise hatte die beiden Banken wie viele ihrer Wettbewerber an den Rand des Ruins gebracht, Abschreibungen auf toxische Wertpapiere brockten ihnen horrende Verluste ein. Nur Milliardenhilfen der Regierung konnten sie retten, allein die Citigroup steckte 45 Milliarden Dollar ein. Durch die Rezession kommen nun neue Belastungen auf die Institute zu. Immer mehr US-Bürger können ihre Kreditkartenrechnungen nicht mehr begleichen, täglich verlieren in den USA Tausende Menschen ihren Job. Die Arbeitslosenquote liegt inzwischen bei knapp zehn Prozent - so hoch wie seit 26 Jahren nicht mehr.
Analysten werteten die Ergebnisse der beiden Großbanken mit zwiespältigen Gefühlen. "Bei beiden Instituten ist das Bild sehr gemischt", sagte Walter Todd von Greenwood Capital. "Die schlechte Nachricht ist, dass sie beide hohe Kreditausfälle zu verkraften haben. Die gute Nachricht ist aber, dass die Einnahmen im operativen Geschäft ganz gut aussehen."
Auch bei JPMorgan, wie die Citigroup ein führender Anbieter von Kreditkarten, türmen sich die Darlehensausfälle immer höher. Das Institut profitierte aber wie Wettbewerber Goldman Sachs von einem wieder aufkeimenden Kapitalmarktgeschäft. Beide verdienten daran im zweiten Quartal prächtig.
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