Staatsanwalt - Lörracher Amoklauf war Beziehungstat

Montag, 20. September 2010, 18:53 Uhr
 

Lörrach (Reuters) - Der Amoklauf im baden-württembergischen Lörrach mit vier Toten war nach ersten Ermittlungen eine Beziehungstat.

Oberstaatsanwalt Dieter Inhofer sagte am Montag in Lörrach, es liege nahe, "dass eine Beziehungsproblematik Auslöser war." Eine 41-jährige Rechtsanwältin hatte am Sonntagabend ihre Kanzlei in Brand gesetzt und war dann bewaffnet in ein nahe gelegenes Krankenhaus gestürmt. Dort tötete sie einen Pfleger, bevor sie von der Polizei erschossen wurde. In der Kanzlei fanden die Einsatzkräfte die Leichen des getrennt lebenden Ehemanns und des gemeinsamen Sohnes.

Ersten Ermittlungsergebnissen zufolge wurde der fünfjährige Junge nicht wie die anderen beiden Opfer erschossen. Er habe vielmehr "Anzeichen stumpfer Gewaltanwendung" aufgewiesen, sagte Generalstaatsanwalt Uwe Schlosser. Wer ihn verletzt hatte, war zunächst offen. Die Staatsanwaltschaft hielt es aber für wahrscheinlich, dass es die Frau war. Weitere Aufklärung über den Tathergang erhofften sich die Ermittler von der Obduktion des Kindes.

Medienberichte, wonach der Tat ein Streit um das Sorgerecht für den beim Vater lebenden Sohn vorausgegangen sein soll, bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Es sei kein Sorgerechtsstreit bei einem Gericht anhängig.

Warum die Frau zum Krankenhaus ging, konnten die Ermittler noch nicht klären. Der Staatsanwaltschaft zufolge hatte die Frau im Jahr 2004 in der Klinik eine Fehlgeburt. "Eventuell könnte das der Grund sein, ein negativ besetztes Erlebnis, dass sie den Weg Richtung Krankenhaus wählte", sagte Inhofer. Es gebe keine Erkenntnisse, dass die Amokläuferin psychisch krank und in Behandlung gewesen sei. Sie habe jedoch zuletzt "Anzeichen von psychischer Angespanntheit" gezeigt.

Bei ihrem Amoklauf war die Sportschützin nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft mit einer kleinkalibrigen Pistole und rund 300 Schuss Munition bewaffnet. In einem Flur der gynäkologischen Abteilung des Sankt-Elisabethen-Krankenhauses habe sie zunächst einen Pfleger mit einer Stichwaffe und durch Schüsse in den Kopf getötet. Eine Verbindung zwischen der Täterin und dem Pfleger konnten die Ermittler nicht nachweisen.

Bei Eintreffen der Polizei eröffnete die Frau das Feuer und traf einen Beamten ins Bein. Sie habe auch gezielt auf ein Patientenzimmer geschossen, sagte Michael Granzow von der Lörracher Polizei. Die Täterin sei von der Polizei erschossen worden. Insgesamt verletzte sie bei ihrem Amoklauf drei Menschen, weitere 15 mussten sich wegen Rauchvergiftungen durch den Brand in dem Mehrfamilienhaus behandeln lassen.

<p>Police officers inspect the area next to the Elisabethen-Krankenhaus hospital in the southern German town of Loerrach September 20, 2010. REUTERS/Christian Hartmann</p>