IWF-Chef gibt auf - Merkel pocht auf Europäer

Donnerstag, 19. Mai 2011, 12:48 Uhr
 

New York/Berlin (Reuters) - Mitten in der schweren Schuldenkrise in Europa steht der Internationale Währungsfonds (IWF) ohne Führung da.

Dominique Strauss-Kahn zog am Donnerstag die Konsequenzen aus den Vergewaltigungsvorwürfen und trat vom Amt des IWF-Chefs zurück. Er sei darüber "unendlich traurig", schrieb der in New York inhaftierte 62-jährige Franzose in einer persönlichen Erklärung. Zugleich beteuerte er seine Unschuld. Über einen neuen Haftprüfungsantrag wollte ein Gericht noch am Donnerstag entscheiden.

Mit dem Rückzug des Franzosen gewann die Debatte um die Neubesetzung des IWF-Chefsessels an Fahrt. Bundeskanzlerin Angela Merkel pochte auf den europäischen Anspruch auf den Posten. Ein Kandidat aus Europa sei derzeit besonders wichtig, weil der IWF stark in die Lösung der Euro-Schuldenkrise eingebunden sei, betonte sie in Berlin.

In Deutschland wurden erste Stimmen laut, die einen Deutschen auf dem Posten sehen wollen. Unions-Finanzexperte Klaus-Peter Flosbach forderte die Bundesregierung auf, sich für einen Landsmann einzusetzen. In der FDP-Fraktion wurde als Kandidat etwa Ex-Bundesbankchef Axel Weber genannt. Medien spekulierten auch über Ex-Finanzminister Peer Steinbrück. Der letzte Bundesbürger auf dem Posten war von 2000 bis 2004 der spätere Bundespräsident Horst Köhler, danach übernahm der Spanier Rodrigo de Rato.

Der Fonds erklärte, er werde in naher Zukunft über den Prozess zur Auswahl eines Nachfolgers informieren. Zurzeit übt Strauss-Kahns Vize John Lipsky das Amt des Geschäftsführenden IWF-Direktors kommissarisch aus.

STRAUSS-KAHN BIETET HAUSARREST IN NEW YORK AN

Strauss-Kahn will seiner Erklärung zufolge mit seinem Rücktritt seine Familie und den IWF schützen. "Ich möchte meine ganze Stärke, meine ganze Zeit und all meine Energie verwenden, um meine Unschuld zu beweisen", schrieb Strauss-Kahn aus der Untersuchungshaft auf der Gefängnisinsel "Rikers Island". Er wird der versuchten Vergewaltigung einer Hotelangestellten verdächtigt.

Der 62-Jährige hat einen neuen Antrag auf Freilassung gegen eine Kaution von einer Million Dollar gestellt. Zudem bot er an, sich rund um die Uhr unter Hausarrest stellen zu lassen. Das mutmaßliche Opfer, eine 32-jährige Witwe aus West-Afrika, hatte am Mittwoch vor einer Jury ihre Vorwürfe bekräftigt. Die Geschworenen müssen nun entscheiden, ob Anklage erhoben wird.

SCHWELLENLÄNDER TROMMELN GEGEN EUROPÄER   Fortsetzung...

<p>An NYPD prisoner movement slip for IMF chief Dominique Strauss-Kahn is seen in this document released, May 18, 2011. REUTERS/New York State/Handout</p>