UN-Bericht: Somalische Islamisten weiten Einflussbereich aus

Donnerstag, 28. Juli 2011, 17:39 Uhr
 

Nairobi/Dadaab (Reuters) - Die in den ostafrikanischen Hungersnot-Gebieten aktive islamistische Al-Shabaab-Miliz weitet nach einem UN-Bericht ihren Einflussbereich über Somalia hinaus aus.

Im benachbarten Kenia habe die Miliz Netzwerke zur Anwerbung neuer Mitglieder, zum Einsammeln von Geldern und zum Training aufgebaut, geht aus dem unveröffentlichten Bericht hervor, der Reuters am Donnerstag vorlag.

Die Miliz mit Verbindungen zur Al-Kaida wird für das Flüchtlingselend Hunderttausender Menschen in den ostafrikanischen Dürregebieten mitverantwortlich gemacht, da sie zeitweise Hilfslieferungen verboten hat und mit drakonischen Maßnahmen Teile der Bevölkerung aus ihren Einflussgebieten vertreibt.

Nach dem Bericht hat die Shabaab-Miliz seit 2009 auch in der kenianischen Bevölkerung Fuß fassen können. Bis dahin seien im Wesentlichen Somalis Mitglieder der radikalen Moslem-Gruppe gewesen. Shabaab bekämpft seit 2007 die von der UN-gestützte somalische Regierung und kontrolliert große Teile Süd- und Zentral-Somalias sowie einige Viertel der Hauptstadt Mogadischu. In Somalia tobt seit Jahren ein Bürgerkrieg, in vielen Regionen herrscht Gesetzlosigkeit, Warlords kämpfen um Macht und Einfluss.

Nach dem UN-Bericht werden in bestimmten Moscheen in Kenia Kämpfer für Shabaab angeworben. Mehrere hundert Kenianer sollen demnach bereits an den Gefechten in Somalia beteiligt sein. Außerdem werde in dem Nachbarland Geld zur Finanzierung der Miliz gesammelt. In dem Bericht wird unter anderem darauf hingewiesen, dass durch diese Entwicklung die Gefahr von Anschlägen in Kenia steige.

In ihrem Einflussbereich behindert die Miliz die internationalen Hilfen für die Opfer der Dürrekatastrophe. 3,7 Millionen Somalier, etwa die Hälfte der Bevölkerung Landes, leiden Hunger. Auch in den Nachbarländern Kenia und Äthiopien ist die Not groß. Insgesamt sind mehr als elf Millionen Menschen betroffen.

Im kenianischen Dadaab liegt das größte Flüchtlingslager für die Menschen aus Somalia. Neben der Hungersnot haben viele Menschen auch aus Furcht vor der Miliz ihre Heimat verlassen. Shabaab beschlagnahmt willkürlich das Vieh der Kleinbauern und bedroht damit ihre Existenzgrundlage. Außerdem zwingt die Miliz junge Männer in ihren Dienst.

"Al-Shabaab hat unser Vieh gestohlen und gesagt, es sei für einen guten Zweck", berichtete der Flüchtling Hassan bei seiner Ankunft im Flüchtlingslager. Und sie haben unsere Männer gestohlen." Tagelang sei er mit seiner Familie durch den Busch gewandert, immer in der Furcht, von den Milizen entdeckt zu werden. Diese sind bekannt für ihre drakonischen Strafen, häufig Enthauptungen oder Amputation von Gliedmaßen.

Die Vereinten Nationen haben eine Luftbrücke zur Versorgung der Hunger leidenden Menschen in Somalia eingerichtet. Am Mittwoch wurden zehn Tonnen Lebensmittel nach Mogadischu geflogen, die speziell für unterernährte Kinder bestimmt sind, die jünger als fünf Jahre sind. Nach Angaben einer Sprecherin des UN-Welternährungsprogramms WFP reicht die Lieferung aus, um 3500 Kinder einen Monat lang zu versorgen. 70 weitere Tonnen stünden in Kenia bereit und sollen in den kommenden Tagen nach Somalia geflogen werden.

<p>Ein Mitglied der islamistischen Al-Shabaab-Miliz am 6. Juli 2011 in einem somalischen Fl&uuml;chtlingslager in Shebelle. REUTERS/Feisal Omar</p>