Libyens Rebellen-General wohl von Verbündeten erschossen

Samstag, 30. Juli 2011, 13:41 Uhr
 

Benghasi (Reuters) - Der libysche Rebellen-General Abdel Fattah Junes ist aller Wahrscheinlichkeit nach von Islamisten aus den eigenen Reihen erschossen worden.

Die Führung der Aufständischen teilte am Samstag mit, Angehörige einer islamistischen Miliz hätten den früheren Innenminister von Machthaber Muammar Gaddafi auf dem Weg von der Front zu einer Befragung in Benghasi getötet. Der Anführer des Kommandos sei festgenommen worden und geständig, nach den Todesschützen werde gefahndet. Der Tod des Generals bedeutet für Gaddafis Gegner einen schweren Rückschlag und dürfte auch die Vorbehalte bei ihren westlichen Verbündeten nähren, die Libyen seit Monaten bombardieren.

Als Tatmotiv wird Rache vermutet. Ein Kommandeur der Rebellen sagte, als Innenminister Gaddafis habe Junes Islamisten verfolgt, die dafür nun Vergeltung geübt hätten. "Einige dieser Islamisten kämpfen nun mit den Rebellen, aber sie habe sich immer geweigert, unter Junes' Kommando zu kämpfen, weil sie ihm misstraut haben", sagte der Kommandeur, der unerkannt bleiben wollte. Rebellenführer Mustafa Abdel Dschalil könne die Extremisten nicht direkt beschuldigen, weil er sie fürchte. Die Ermittlungen der Todesumstände würden zu nichts führen.

Junes war an dem Putsch beteiligt, der Gaddafi 1969 an die Macht brachte. Er diente dem Revolutionsführer mehr als 40 Jahre. Junes trat im Februar als Innenminister zurück und lief zu den Rebellen über. Wegen seiner langjährigen Bindungen zu Gaddafi misstrauten ihm Teile der Opposition. Nach Angaben des Rebellenchefs Dschalil wurde Junes von der Front in der Nähe des Ölhafens Brega zurückbeordert, um vor einem Justizkomitee der Rebellen zu erscheinen.

Die Nato setzte ihre Luftangriffe auf Libyen fort und bombardierte in der Nacht drei Satellitenanlagen. Sie seien unbrauchbar gemacht worden, um Gaddafi daran zu hindern, mit Hilfe des Fernsehens Zivilisten zu terrorisieren, sagte ein Nato-Sprecher. Allerdings war das libysche Staatsfernsehen nach dem Angriff weiter auf Sendung.

- von Rania El Gamal -