UBS-Chef: Skandal Rückschlag für Renommee und Kapitalaufbau

Montag, 19. September 2011, 08:57 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Der Handelsskandal in London ist für die Schweizer Großbank UBS nach Einschätzung ihres Chefs ein Rückschlag für ihr Renommee und den Aufbau von mehr Eigenkapital.

In einem Memo an die Mitarbeiter, das Reuters am Sonntagabend vorlag, erklärte Konzernchef Oswald Grübel, es sei eine Riesenenttäuschung, dass die Bank nun bei ihren Bemühungen einen Rückschlag erlitten habe, die Reputation zu verbessern. "Der Vorfall wirft uns auch etwas bei unseren Anstrengungen zurück, Kapital aufzubauen", ergänzte der UBS-Chef in dem auf englisch vorliegenden Schreiben.

Gleichwohl bleibe UBS eine der am besten kapitalisierten Banken in der ganzen Branche. Die aus den unerlaubten Geschäften eines Händlers herrührenden Risiken seien nun gedeckt, so Grübel in dem Memo. Das UBS-Aktienhandelsgeschäft laufe wieder normal innerhalb der definierten Risikogrenzen.

Spekulationen, der 31 Jahre alte Händler in London könne kaum allein so viel Geld in den Sand gesetzt haben, wies Grübel zurück. "Die Tat wurde von einem einzelnen betrügerischen Händler begangen", erklärte er.

Die beiden Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse werden in Zukunft mehr Eigenkapital halten müssen als ihre internationalen Konkurrenten. Ein neues Gesetz mit einer Eigenkapitalquote von 19 Prozent dürfte am Montag vom Parlament in Bern verabschiedet werden. Kritiker, zu denen auch Grübel gehörte, dürften kein Gehör mehr finden. Im Gegensatz zum Lokalrivalen Credit Suisse, der auch Pflichtwandelanleihen (Coco Bonds) zum Aufbau von Eigenkapital einsetzen will, wollte UBS das Eigenkapital aus einbehaltenen Gewinnen speisen. Die von dem Londoner Händler verzockten 2,3 Milliarden Dollar werden da fehlen. Nach Schätzungen von Analysten hätte UBS dieses Jahr mit einem Gewinn von gut fünf Milliarden Franken (gut vier Milliarden Euro) rechnen können.

<p>Archivbild: UBS-Chef Oswald Gr&uuml;bel w&auml;hrend einer Bilanzpressekonferenz am 26. Juli 2011 in Z&uuml;rich. REUTERS/Christian Hartmann</p>