Finanzaufseher wollen Schattenbanken in den Griff bekommen

Freitag, 28. Oktober 2011, 08:10 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Die Finanzaufseher wollen nach der Finanzkrise endlich auch die sogenannten "Schattenbanken" in den Griff bekommen.

Bisher haben die Regulierer kaum eine Handhabe gegen Hedgefonds, Geldmarktfonds und andere Finanzinvestoren, die durch ihre Größe und Macht das Finanzsystem mindestens ebenso stark ins Wanken bringen können wie große Banken. Diese Schattenbanken, oft in Steuerparadiesen beheimatet, sind aber noch weitgehend unreguliert. Als ersten Schritt will der Finanzstabilitätsrat (FSB), dem Aufsichtsbehörden und Zentralbank-Experten aus 24 Ländern angehören, nun in einer jährlichen Studie die globalen Trends und Risiken unter die Lupe nehmen, die von diesen großen Kapitalsammelstellen ausgehen, wie er am Donnerstag in Basel mitteilte.

Auf dem G20-Gipfel in Seoul vor einem Jahr hatten die Politiker dem FSB eine bessere Überwachung der Schattenbanken ins Lastenheft geschrieben. Zwischen 2002 und 2007 waren die Kapitalsammelstellen von 27 Billionen auf 60 Billionen Dollar gewachsen - und auch nach der Finanzkrise nicht geschrumpft. Während die Schattenbanken in Deutschland nur zehn Prozent des Finanzsektors ausmachen, haben sie etwa in den USA die Banken im Stellenwert bereits überrundet. Die Aufseher fürchten, dass die stärkere Regulierung der normalen Geldhäuser Schattenbanken für Investoren noch attraktiver macht und dies ihre Bemühungen unterhöhlt.

Die Verbindungen von Schattenbanken und der regulierten Finanzwirtschaft müssten genauer überwacht werden, forderte der FSB, dem der designierte EZB-Präsident Mario Draghi vorsitzt. Denn sie bergen systemische Risiken, etwa wenn die Liquidität aus dem Markt nehmen, beim Transfer von Risiken durch Verbriefung oder indem sie größere Finanzhebel erzeugen.

Dazu sollen alle Aufsichtsorgane zusammenarbeiten: Bis Juli 2012 etwa soll der Baseler Ausschuss der Bankenaufseher die Abhängigkeiten zwischen Banken und Schattenbankern untersuchen, die Wertpapieraufseher der IOSCO sollen sich um Geldmarktfonds und Verbriefungen kümmern.