29 Banken weltweit kommen unter strengere Aufsicht

Freitag, 4. November 2011, 18:58 Uhr
 

Cannes (Reuters) - Die Deutsche Bank und die Commerzbank gehören zu den 29 Banken weltweit, die nach dem Willen der Politiker und Regulierer künftig unter besondere Überwachung gestellt werden sollen.

Denn sie sind so groß, dass ihr Zusammenbruch das ganze Finanzsystem ins Wanken bringen würde. Die wichtigsten 20 Industrie- und Schwellenländer (G20) wollen mit harten Auflagen für diese Geldhäuser verhindern, dass die Staaten wie in der Finanzkrise 2008/09 erpressbar werden, als sie wankende Institute mit dem Geld der Steuerzahler retten mussten. Aber auch die sogenannten Schattenbanken - etwa große Hedgefonds - sollen endlich richtig beaufsichtigt werden. Dazu beschlossen die G20 einen Aktionsplan. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, der Gipfel habe große Fortschritte bei der Finanzmarktregulierung gemacht.

Der G20-Gipfel in Cannes beschloss am Freitag ein Paket von Maßnahmen, das der Finanzstabilitätsrat (FSB) und der Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht nach der Finanzkrise erarbeitet haben. Danach müssen die "global systemrelevanten Banken" (G-SIFI) zwischen einem und zweieinhalb Prozentpunkten mehr Eigenkapital vorhalten als andere Institute. Spätestens 2016 sollen sie anfangen, den Puffer bis 2018 aufzubauen. "Wir erachten das als Mindest-Vorschriften", sagte FSB-Generalsekretär Svein Andreson. Die nationalen Aufseher können auch weitere Banken unter genaueren Augenschein nehmen.

Bereits bis Ende 2012 sollen die G-SIFIS Pläne vorlegen, wie sie in einer Krise ohne Schaden für das Finanzsystem abgewickelt

oder mit dem Geld ihrer Aktionäre und Gläubiger gerettet werden können. Wie international vernetzte Banken pleite gehen können, ist allerdings noch ein ungelöstes Problem - ebenso wie die Frage, wie man die Schattenbanken in den Griff bekommen will, bei denen allein 60 Billionen Dollar liegen. Die großen Versicherer kämpfen noch dagegen, ebenfalls als relevant für das Welt-Finanzsystem eingestuft zu werden.

ENDSTATION FÜR VERSCHIEBEBAHNHOF?

"Wir unterstützen das Vorhaben der G20, die Verschiebebahnhöfe aus den Bankbilanzen hinaus und in die wenig regulierten Fonds und Zweckgesellschaften hinein zu schließen, denn sie waren eine der Hauptursachen für den Ausbruch der globalen Finanzmarktkrise", sagte Gerhard Hofmann, der Regulierungsexperte im Vorstand des Genossenschaftsbanken-Verbandes BVR. Sparkassenverbands-Präsident Heinrich Haasis kritisierte dagegen, der Gipfel sei bei der Regulierung der Schattenbanken nicht von der Stelle gekommen. "Hier ist Eile geboten, sonst droht die Gefahr, dass immer mehr Bankgeschäfte in diesen undurchsichtigen Markt abdriften", mahnte er.

Der scheidende FSB-Chef und neue EZB-Präsident Mario Draghi wies Befürchtungen zurück, dass die engeren Fesseln für die G-SIFIs die Kreditversorgung austrocknen lassen und damit die wacklige Konjunktur an einer empfindlichen Stelle treffen könnten. Draghis Nachfolger an der Spitze des Gremiums wird der kanadische Notenbankchef Mark Carney, sein Stellvertreter wird der ebenfalls an dem Posten interessierte Schweizer SNB-Chef Philipp Hildebrand, der im FSB für die gesamtwirtschaftliche Stabilität zuständig sein soll.

Von den 29 SIFIs kommen 17 aus Europa, darunter jeweils vier aus Großbritannien und Frankreich sowie die Schweizer Großbanken UBS und Credit Suisse, acht aus den USA und nur vier aus Asien. Die Bank mit dem höchsten Börsenwert, die chinesische ICBC, gehört wie andere asiatische Großbanken nicht zu dem Kreis. "Wenn es um schiere Größe ginge, rangierten sie ziemlich weit oben..., aber sie sind weit weniger komplex als andere Institute, sie sind viel weniger grenzüberschreitend tätig und sie refinanzieren sich weniger über den Kapitalmarkt", sagte Andreson.

- von Gernot Heller und Daniel Flynn