Großbank UBS warnt vor schwachem ersten Quartal

Dienstag, 7. Februar 2012, 13:21 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr rechnet die Schweizer Großbank UBS mit einem schwachen ersten Quartal 2012.

Die von der Euro-Schuldenkrise ausgehende Unsicherheit und das amerikanische Haushaltsdefizit dürften sich auch im ersten Quartal 2012 negativ auf die Kundenaktivitäten auswirken, erklärte UBS am Dienstag. Die größte Schweizer Bank wollte einen über die bisherigen Pläne hinausgehenden Abbau von Arbeitsplätzen nicht ausschließen.

Im vergangenen Jahr sank der Reingewinn der größten Schweizer Bank um rund 44 Prozent auf 4,2 Milliarden Franken. Im vierten Quartal allein fiel der Reingewinn um 76 Prozent auf 393 Millionen Franken und lag damit deutlich unter den Erwartungen der Analysten. Die Investmentbanking-Sparte fuhr im Schlussquartal einen Verlust von 256 Millionen Franken vor Steuern ein. Dem standen 882 Milliarden Franken Brutto-Gewinn in der Vermögensverwaltung und im Schweizer Geschäft gegenüber. Im zweiten Quartal hatte das Investmentbanking nach dem Handelsskandal in London einen Verlust von 650 Millionen Franken produziert.

Angesichts des Gewinnrückgangs dreht die Bank an der Kostenschraube. Die Boni wurden für 2011 um 40 Prozent gekürzt. Insgesamt sanken die Kosten im letzten Jahr um 2,1 Milliarden auf 22,4 Milliarden Franken. Im Rahmen des im vergangenen Jahr eingeleiteten Kosten- und Stellenabbauprogramms strich UBS im vierten Quartal 1101 Arbeitsplätze. Insgesamt sieht das Programm bis Ende 2013 den Abbau von mehr als 3500 der 65.000 Stellen vor. Das dürfte gleichwohl noch nicht das letzte Wort gewesen sein. Im Laufe von 2012 sollen die Kosten weiter sinken. Aber die Kapazität für zusätzliche taktische Kosteneinsparungen sei begrenzt, warnte die Bank. Die strukturelle Kostenbasis müsse weiter reduziert werden. "Falls sich die Märkte wesentlich verschlechtern, wird UBS außerdem weitere Maßnahmen ergreifen, um die Kostenbasis zu verkleinern", so die Bank weiter.

REICHE KUNDEN BLEIBEN BEI DER STANGE Trotz des Milliarden-Handelsskandals vom September in London brachten reichen und superreiche Kunden weiterhin Geld zu der Bank. Im Wealth Management sank der Nettoneugeldzufluss im vierten Quartal auf fünf Milliarden Franken von 7,8 Milliarden im Quartal davor. Neues Geld kam vor allem aus der Region Asien/Pazifik, aus aufstrebenden Ländern und von Superreichen. Im Amerika-Geschäft floss der Bank noch rund halb so viel zu wie in den drei Monaten davor. Die Rückgänge seien auf die allgemeine Unsicherheit zurückzuführen, sagte Finanzchef Tom Naratil in einer Telefonkonferenz. Der Fall in London sei für reiche Kunden kein Thema. "Dass weiter Neugeld kommt, ist die einzige gute Nachricht der UBS heute morgen" sagte ein Aktienhändler. Die UBS-Aktie wurde vorbörslich drei Prozent tiefer angezeigt.

Mit dem Gewinnrückgang steht UBS im internationalen Vergleich nicht allein. Bei der Investmentbank Goldman Sachs ging der Gewinn im letzten Jahr um zwei Drittel auf 2,5 Milliarden Dollar zurück. Der Gewinn der Citi Group sank im vierten Quartal um elf Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar und Deutsche Bank rutschte in den letzten drei Monaten 2011 sogar in die roten Zahlen.