TOP-THEMA-Flugzeug-Einweiser legen Frankfurter Airport lahm

Donnerstag, 16. Februar 2012, 19:13 Uhr
 

Frankfurt (Reuters) - Stillstand am Frankfurter Flughafen: Ein Streik der Vorfeld-Kontrolleure hat am Donnerstag große Teile des größten deutschen Airports lahm gelegt und dürfte auch am Freitag für hunderte Flugausfälle sorgen.

Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will damit im monatelangen Tarifkonflikt den Betreiber Fraport zum Einlenken drängen. Wegen des am Nachmittag begonnenen Streiks fielen nach Angaben des Unternehmens am Donnerstag rund 150 Flüge aus, die meisten davon von der Lufthansa. Am Freitag wollen die Flugfeld-Kontrolleure von acht bis 22 Uhr die Arbeit niederlegen.

Die bislang weitgehend unbekannte Berufsgruppe, die den Jets die richtige Parkposition weist, demonstriert damit, wie einfach 200 Angestellte einen Flughafen mit 70.000 Mitarbeitern teilweise außer Gefecht setzen können. Lufthansa und Fraport hatten sich allerdings seit vielen Tagen auf den Streik vorbereitet und zusätzliches Personal für die Arbeit auf dem Flugvorfeld geschult. "Wir haben genug Personal, um morgen mehr als 50 Prozent der Flüge zu sichern", sagte Fraport-Vorstand Peter Schmitz am Donnerstag. Da viele Reisende innerhalb Deutschlands auf den Zug umstiegen, war in den Flughafen-Terminals von Chaos zunächst nichts zu spüren - kein Vergleich zu den Szenen von vor zwei Jahren, als wegen einer Aschewolke tagelang keine Maschine abhob und es kilometerlange Menschenschlangen vor den Schaltern gab.

Dieses Mal deuteten vor allem fünf Kamerateams und viele aufgeregte Fraport-Mitarbeiter in neongelben Leuchtwesten darauf hin, dass am Flughafen etwas nichts stimmte. Für Fluggäste, die ihren Anschlussflug verpassen, standen Feldbetten bereit. In Frankfurt hat man damit inzwischen Routine: Als die Aschewolke vor zwei Jahren den Flugverkehr mehrere Tage komplett lahmlegte, übernachteten Hunderte von Reisenden im Terminal. Frankfurt ist mit täglich 1300 Starts und Landungen der zweitgrößte Flughafen in Europa - größer ist nur London-Heathrow.

Die Lufthansa annullierte am Donnerstag an ihrem Heimatflughafen etwa ein Drittel ihrer täglich rund 300 Verbindungen. Wie bei den anderen Fluglinien fielen vor allem Verbindungen in Deutschland und Europa aus, die Langstreckenflüge fanden statt. Am Freitag steige die Zahl der abgesagten Flüge auf 250, sagte eine Lufthansa-Sprecherin. Der Arbeitsausstand am Airport geht dann von morgens bis abends. Air Berlin wurde von dem Streik kaum in Mitleidenschaft gezogen - am Freitag finden aber sechs der 18 Flüge am Tag von und nach Frankfurt nicht statt.

Der Flughafenbetreiber Fraport hatte bis zur letzten Minute erfolglos versucht, den Streik noch abzuwenden. Die GdF müsse an den Verhandlungstisch zurückzukehren und dort bereit zu sein, Kompromisse einzugehen, forderte ein Fraport-Sprecher. Anders als bei früheren Streiks versuchte der Airport allerdings zunächst nicht, die Arbeitsniederlegung mit einer Gerichtsverfügung zu stoppen, behielt sich dies aber prinzipiell offen.

HAHN IM GLÜCK

Die Positionen in dem Tarifstreit zwischen GdF und Fraport sind verhärtet. Die Arbeit der Vorfeld-Kontrolleure ist mit der Eröffnung der vierten Landebahn in Frankfurt der GdF zufolge wesentlich anspruchsvoller geworden. Die Lohnentwicklung habe damit aber nicht Schritt gehalten, argumentieren die Arbeitnehmervertreter. Fraport hat die GdF-Forderungen als "extrem hoch" kritisiert. Sie liefen auf Entgelterhöhungen bis zu 70 Prozent hinaus. Auch ein Kompromissvorschlag des früheren Ersten Hamburger Bürgermeisters Ole von Beust, der als Schlichter eingesetzt wurde, brachte keinen Durchbruch.

Für den mit Verlusten kämpfende Regionalflughafen Hahn im Hunsrück ist der Streik eine Chance. "Uns liegen Anfragen von Fluggesellschaften vor, die den Flughafen Hahn als Alternative zu Frankfurt nutzen wollen", sagte eine Sprecherin des rund 100 Kilometer von Frankfurt entfernt gelegenen ehemaligen US-Militärflughafens. Dabei gehe es sowohl um Fracht- als auch Passagiermaschinen. Von den Flugbewegungen her habe Hahn genügend Kapazitäten, weitere Flüge aufzunehmen, das Problem sei die Abfertigung. Im Gegensatz zu dem mit vergleichsweise geringer Auslastung operierenden Provinzflughafen Hahn können größere Airports wie München nicht unbegrenzt Flüge aufnehmen.

- von Peter Maushagen

REUTERS/Alex Domanski (GERMANY - Tags: TRANSPORT CIVIL UNREST POLITICS BUSINESS EMPLOYMENT)