DHL-Rivale TNT schlägt Milliarden-Offerte von UPS aus

Sonntag, 19. Februar 2012, 12:26 Uhr
 

Amsterdam (Reuters) - Der weltweit größte Paketdienstleister UPS will mit der Übernahme des Rivalen TNT Express sein Geschäft in Europa kräftig ausbauen.

Fünf Milliarden Euro bietet der US-Konzern für die Niederländer - 42 Prozent mehr als der derzeitige Marktwert von TNT. Mit dem Zukauf würde UPS auch einen Wettbewerber ausschalten, der den Preiskampf in der Branche vorantreibt. TNT wies die Offerte am Freitag zwar zurück, kündigte aber auch an, weiter mit UPS zu reden. "Wir sind bereit, die Gespräche weiter voranzutreiben", sagte ein Sprecher des Deutsche-Post-Konkurrenten.

Seit der Aufspaltung des TNT-Konzerns in den Paketdienst und das Briefgeschäft, die niederländische Post, im Mai vergangenen Jahres steht TNT Express unter Druck. Das Transportvolumen zwischen Asien und Europa ging zurück. Allein im dritten Quartal 2011 brach dem Unternehmen knapp die Hälfte des bereinigten Vorsteuergewinns (Ebit) weg. TNT verschärfte den Sparkurs. Einigen Aktionären reichte das jedoch nicht. Sie forderten Änderungen im Verwaltungsrat, und der US-Investor Jana Partnerns sowie die kanadische Alberta Investment Management brachten auch einen Verkauf ins Spiel.

Analysten zeigten sich überrascht, dass nicht US-Konkurrent FedEx als erster die Finger nach TNT Express ausgestreckt hat. FedEx habe keine Schulden und könnte den Kaufpreis leicht aufbringen, sagte Andre Mulder von Kepler Capital Markets. Zudem sei FedEx im Gegensatz zu UPS noch nicht so stark in Europa vertreten. Der Marktanteil betrage lediglich zwei Prozent, UPS verfüge über zehn und TNT sei mit 18 Prozent Marktführer. UPS investiert bereits kräftig in sein europäisches Luftfacht-Drehkreuz am Flughafen Köln-Bonn und will damit auch der Deutsche-Post-Tochter DHL stärker Konkurrenz machen. Dafür nehmen die Amerikaner 200 Millionen Dollar in die Hand.

Die Höhe der Offerte für TNT Express betrachten Experten als angemessen. "Das ist ein gutes Angebot", sagte Art Hatfield von Morgan Keegan & Co. Trotz der Absage von TNT Express erwartet er keine Übernahmeschlacht, auch wenn einige Aktionäre auf mehr hoffen. UPS bietet neun Euro je Aktie. Das Papier war am Freitag bei 6,34 Euro aus dem Handel gegangen. UPS machte deutlich, dass das öffentlich gemachte Angebot nicht das erste war - es sei bereits erhöht und überarbeitet worden. Ob es zu einem Abschluss kommt, sei vollkommen offen. Unklar ist nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's auch noch die Finanzierung der Übernahme. UPS habe sich dazu nicht geäußert, weshalb die Bonitätsnote auf eine Herabstufung überprüft werde.