Plastikuhr mit Diamanten - Swatch kauft Harry Winston

Montag, 14. Januar 2013, 14:57 Uhr
 

Zürich (Reuters) - Schon für Marilyn Monroe war es eine wichtige Adresse: In "Diamonds Are A Girl's Best Friend" besang das amerikanische Sexsymbol 1953 die Schmuck- und Edeluhren-Marke Harry Winston mit der prestigeträchtigen Adresse 718 Fifth Avenue in New York.

Nun soll die US-Firma dem Schweizer Uhrenkonzern Swatch den Weg in den Markt für teuren Schmuck ebnen. Der größte Uhrenhersteller der Welt übernimmt Harry Winston (HW) mit weltweit 22 Boutiquen für rund eine Milliarde Dollar. "Die Marke Harry Winston ergänzt das Prestige-Segment der Gruppe bestens", sagte Swatch-Präsidentin Nayla Hayek am Montag.

"Uns fehlte bisher eine Marke, die eine große und glaubwürdige Geschichte im Juwelen-Bereich hat", sagte Konzernchef Nick Hayek im Gespräch mit Reuters. Bislang konzentrierten sich die Schweizer auf ihre Uhren, die von preisgünstigen Plastikmodellen der Marke Swatch über das mittlere Preissegment mit Marken wie Tissot bis zu Edeluhren etwa der Marke Omega reichen. Die letzten großen Übernahmen liegen mehr als zehn Jahre zurück.

Die Konkurrenz hat schon früher in den Schmuckbereich expandiert: Der französische Luxuskonzern LVMH übernahm 2011 den italienischen Schmuckhersteller Bulgari. Der Schweizer Rivale Richemont, zu dem die Nobelmarke Cartier gehört, macht mehr als die Hälfte seines Konzernumsatzes von knapp neun Milliarden Euro mit Schmuck.

Aber auch ohne Juwelen steigerte Swatch im letzten Jahr den Umsatz um 14 Prozent auf 8,14 Milliarden Franken. Wenn es bei den Uhren so dynamisch weitergehe wie 2012, könnten dieses Jahr neun Milliarden Franken in Reichweite liegen, sagte Hayek. "Im Licht der Übernahme könnte es natürlich sogar mehr werden", fügte er hinzu. In vier bis fünf Jahren könnte Harry Winston (HW) auf einen Umsatz von mehr als einer Milliarde Franken kommen und einen Reingewinn von 250 Millionen Franken erzielen, erwartet der Konzernchef. HW sei eine weltweit anerkannte Marke und vor allem in Amerika und Japan stark. "Amerika bleibt einer unserer strategischen Märkte", erklärte der Konzernchef.

SERIÖSE DIAMANTEN-BEZUGSQUELLE

Swatch übernimmt die Juwelenmarke HW von der in Toronto ansässigen Harry Winston Diamond Corporation, die sich in Zukunft unter dem neuen Namen Dominion Diamond Corporation auf den Diamanten-Bergbau konzentrieren wird. HW kam in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres mit seinem Luxus-Produkten auf einen Umsatz von knapp 315 Millionen Dollar und einen Betriebsgewinn von 20,5 Millionen Dollar. Die Firma stand Insidern zufolge seit Oktober zum Verkauf. Die Transaktion wurde von der Londoner Bank Rothschild mit einfädelt. Swatch zahlt 750 Millionen Dollar in bar und übernimmt Schulden der Firma von bis zu 250 Millionen Dollar. Nach Angaben des Vontobel-Analysten Rene Weber verfügt Swatch über eine Kriegskasse von rund zwei Milliarden Franken.

Über den Kauf hinaus will Hayek mit den Kanadiern im Geschäft bleiben: "Es ist für uns sehr wichtig, den Zugang zu einer transparenten Diamanten-Quelle sicherzustellen," sagte Hayek. Swatch fasse Gemeinschaftsunternehmen mit Dominion ins Auge, die auch die Diamanten-Bearbeitung umfassen sollen. Danach habe Swatch seit längerem gesucht, erklärte Kepler-Analyst Jon Cox. Der Diamantenhandel gilt oft als intransparent, immer wieder tauchen Berichte über Edelsteine auf, die in Afrika unter illegalen und menschenunwürdigen Umständen gefördert wurden.

Die Übernahme passe ausgezeichnet, urteilte der Vontobel-Analyst. Auch an der Börse kam die Transaktion gut an. Die Swatch-Aktie legte mehr als drei Prozent auf 510 Franken zu.

A woman looks at watches at a Swatch store at Zurich central station July 24, 2012. REUTERS/Arnd Wiegmann (SWITZERLAND - Tags: BUSINESS)