Bürgermeister - Frankreich nimmt Stadt in Mali ein

Freitag, 18. Januar 2013, 18:58 Uhr
 

New York/Berlin (Reuters) - Die französischen Soldaten in Mali haben örtlichen Behörden zufolge eine zweite Stadt von den Islamisten zurückerobert.

Zusammen mit einheimischen Truppen hätten sie am Freitag die Kontrolle über Diabaly erlangt, sagte der Bürgermeister des Ortes, Oumar Diakite, der Nachrichtenagentur Reuters. Die Aufständischen hatten am Donnerstagabend Konna aufgegeben. Nigeria stockte seinen Beitrag zu einer geplanten afrikanischen Eingreiftruppe auf, die damit mehr 5000 Soldaten umfassen soll. Zwei deutsche Transall-Transportflugzeuge setzten ihre Reise nach Afrika fort.

Die Islamisten hatten Diabaly am Montag eingenommen. Die Stadt markierte bislang die Front im Kampf zwischen ihnen und den Regierungstruppen. "Es gibt viele ausgebrannte Fahrzeuge, die die Islamisten in den Obstplantagen verstecken wollten", sagte Bürgermeister Diakite per Telefon. Der Eroberung sei ein Luftangriff am Morgen vorausgegangen. Frankreich bestätigte die Einnahme zunächst nicht. Ein Kommandeur der malischen Armee im nahegelegenen Markala sprach von einem Einsatz in Diabaly.

"DANKE FRANKREICH, DANKE FRANCOIS HOLLANDE"

Nördlich der Hauptstadt Bamako sahen Reuters-Reporter, wie die französischen Soldaten von den Bewohnern begrüßt wurden. An einigen Stellen hingen die Fahnen der beiden Staaten Seite an Seite. "Danke Frankreich, Danke Francois Hollande", lautete die Schlagzeile einer Zeitung, die sich auf den französischen Präsidenten bezog. "Sie sind etwas zu spät gekommen, das ist wahr", sagte ein Anwohner. "Aber sie sind gekommen. Wir sind dankbar."

Frankreich hat etwa 1800 Soldaten in seine ehemalige Kolonie verlegt. Die Zahl soll auf 2500 steigen. Der UN-Sicherheitsrat hat zwar den Einsatz einer afrikanischen Eingreiftruppe der Westafrikanischen Wirtschaftsunion (Ecowas) von bis zu 3300 Soldaten beschlossen. Diese dürfte nach bisheriger Planung jedoch erst im September bereitstehen. Angesichts der jüngsten Eskalation bemühten sich die beteiligten Staaten, ihre Soldaten früher zur Verfügung zu stellen. In einem Brief an den nigerianischen Senat warnte Präsident Goodluck Jonathan, die Krise in Mali bedrohe die ganze Region. Die Kammer billigte seinen Antrag, das Truppenkontingent des Landes auf 1200 Soldaten aufzustocken.

TRANSALLS FLIEGEN AM SAMSTAG RICHTUNG MALI

Die Bundesregierung hat einen Kampfeinsatz deutscher Soldaten ausgeschlossen. Allerdings stellt die Luftwaffe zwei Transall-Flugzeuge für den Transport der Ecowas-Soldaten bereit. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin sagte am Freitag, zwei Maschinen befänden sich in der Nähe von Paris. Eine weitere solle Ersatzteile für die Flugzeuge mitbringen. Zwei der drei Flugzeuge sollten noch am Freitag ihre Reise fortsetzen. Am Samstag werde der Flug dann Richtung Mali weitergehen. Auch die USA und Großbritannien wollen mit Transportflugzeugen helfen.

Die ehemalige französische Kolonie ist seit März gespalten. Damals nutzten Tuareg-Rebellen ein Machtvakuum nach einem Militärputsch, um den Norden unter ihre Kontrolle zu bringen. Inzwischen haben sich dort Islamisten durchgesetzt. Einer Sprecherin des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR zufolge könnte die Gewalt in den kommenden Monaten 400.000 Menschen zur Flucht in die umliegenden Staaten zwingen. Mali ist mehr als doppelt so groß wie Frankreich und hat mit 12,3 Millionen etwa so viele Einwohner wie Bayern.

People on donkey-drawn carts cross a strategic bridge over a dam on the Niger River secured by French forces in Markala, Mali January 18, 2013. REUTERS/Joe Penney