Rio Tinto weist auch 147-Mrd-Offerte von BHP zurück

Mittwoch, 6. Februar 2008, 20:02 Uhr
 

Sydney (Reuters) - Angetrieben vom Rohstoffboom steht die Bergbaubranche womöglich vor ihrer bislang größten Übernahme: Weltmarktführer BHP Billiton stockte am Mittwoch sein Angebot für die Nummer zwei Rio Tinto um 13 Prozent auf 147,4 Milliarden Dollar auf.

Rio weist das Werben aber weiter zurück und hält auch das neue Angebot für zu niedrig. Sollte es zu einer Übernahme in dem Volumen kommen, wäre dies die zweitgrößte Fusion in der Wirtschaftsgeschichte nach dem Kauf der deutschen Mannesmann durch Vodafone. Es könnte aber auch zu einer Bieterschlacht kommen, denn der chinesische Staatskonzern Chinalco war zuletzt zusammen mit dem US-Aluminiumhersteller Alcoa bei Rio eingestiegen. Experten schließen eine gemeinsame Gegenofferte nicht aus.

Aus einem Zusammenschluss von BHP und Rio Tinto würde ein Bergbaugigant entstehen, der bei einer Reihe von industriell genutzten Rohstoffen wie Eisenerz, Kohle, Kupfer oder Uran die Märkte kontrollieren könnte. Kunden wie die deutschen Stahlhersteller ThyssenKrupp und Salzgitter befürchten einen weiteren Druck auf die Preise. Daher lehnen etwa die Stahlverbände in Europa und Asien die Fusionspläne ab. China sieht seine boomende Stahlindustrie besonders betroffen.

BHP besserte seine Offerte vom November nach, die nicht die Zustimmung der Rio-Tinto-Führung fand. Der Konzern bietet nun 3,4 eigene Aktien für jeden Rio-Anteilsschein. Bislang hatte BHP drei eigene Aktien in Aussicht gestellt. Am Markt wurde seit langem über eine Nachbesserung spekuliert. Für eine formelle Offerte war eine Frist bis zum 6. Februar gesetzt.

"Dies ist unser erstes und einziges Angebot", sagte BHP-Chef Marius Kloppers. Später wollte er sich auf Nachfrage aber nicht dazu äußern, ob dies tatsächlich das endgültige Angebot ist. Rio erklärte zunächst, die Offerte zu prüfen. Später hieß es dann, man habe das Angebot einstimmig abgelehnt, da es nicht den Interessen der Aktionäre diene. Rio hatte sich monatelang gegen eine Übernahme durch BHP gestemmt, zuletzt eine Fusion aber nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen.

Kloppers betonte, er gehe davon aus, dass die Offerte Unterstützung bei den Rio-Aktionären finde. Branchenexperten zeigten sich ebenfalls verhalten optimistisch: Die Offerte sollte reichen, um Rio zu Gesprächen mit BHP zu bewegen, sagte etwa Rob Patterson von Argo Investments. Die angehobene Offerte sei aber "kein K.O.-Angebot", sagte Fondsmanager Bertie Thomson von Aberdeen Asset Management. Einige Analysten bezweifelten aber, ob die Höhe des BHP-Angebots ausreiche. "Angesichts der Marktbedingungen und des Ausblicks und im Vergleich zu anderen Übernahmen wird es vermutlich so nicht hinhauen", sagte Ken West von Perennial Growth Management.

Vor allem der gemeinsame Vorstoß von Chinalco und Alcoa könnte die BHP-Pläne durchkreuzen. Die britische Zeitung "Times" berichtete, der staatliche Aluminium-Hersteller aus China und sein US-Partner bereiteten eine Gegenofferte vor.

BHP hatte kurz vor der Vorlage des Rio-Angebots seine Halbjahreszahlen veröffentlicht und darin einen Rückgang beim Netto-Gewinn um 2,4 Prozent auf gut sechs Milliarden Dollar ausgewiesen.

 
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