EZB-Banker dämpfen Spekulationen auf baldige Zinssenkung
Frankfurt (Reuters) - Zwei Mitglieder des EZB-Rates und die irische Zentralbank haben am Freitag Spekulationen auf eine baldige Zinssenkung nach US-Vorbild eine Absage erteilt.
Die beiden Notenbankchefs von Griechenland und Österreich, Nicholas Garganas und Klaus Liebscher, stellten in Interviews klar, dass die Europäische Zentralbank (EZB) auf den Kampf gegen die Inflation fokussiert sei. Eine ähnliche Formulierung fand sich auch im ebenfalls am Freitag in Dublin veröffentlichten Quartalsbericht der Bank von Irland.
Garganas sagte Bloomberg, die hohe Teuerung in der Euro-Zone gebe der EZB Grund zur Sorge. Ein Schritt wie der der Fed, die zuletzt zweimal innerhalb von nur acht Tagen die Zinsen gesenkt und damit der Erwartungshaltung an den Finanzmärkten entsprochen hat, sei in Europa nicht vorstellbar. "Unsere Geldpolitik ist nicht von der Erwartung der Märkte geleitet", sagte Garganas. Sollte es ein Risiko geben, dass die EZB mittelfristig ihr bei knapp unter zwei Prozent liegendes Ziel für die Inflationsrate nicht erreiche, werde sie vorsorglich und entschlossen handeln.
Auch Liebscher sagte im Interview mit dem Fernsehsender ORF, die Inflation bleibe der zentrale Fokus der Zentralbank. Die irische Notenbank stellte klar, dass die Geldpolitik der EZB einzig und alleine dadurch bestimmt werde, ob es Risiken für die Stabilität des Geldes gebe oder nicht. Die Teuerung in der Euro-Zone kletterte im Januar nach vorläufigen Angaben mit 3,2 Prozent auf ein Rekordhoch seit Beginn der Messungen für die Währungsunion 1997. Die EZB ist darüber hinaus besorgt, dass die anstehenden Tarifrunden durch zu hohe Abschlüsse eine Lohn-Preis-Spirale in Gang setzen könnten.
Der EZB-Rat tagt am Donnerstag wieder, um über die Höhe des Leitzinses zu beraten. Im Gegensatz zur US-Notenbank (Fed) hat die EZB den Zins seit Sommer konstant gehalten. Er liegt bei vier Prozent. Immer mehr Ökonomen gehen mittlerweile aber davon aus, dass die Frankfurter Währungshüter den Leitzins noch in diesem Jahr ebenfalls senken werden, um eine von den USA und der Kreditkrise ausgehende Konjunkturschwäche abzumildern.
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