Makler MLP bringt sich gegen AWD-Einstieg in Stellung
Stuttgart (Reuters) - Der Finanz- und Versicherungsmakler MLP bringt sich gegen einen Einstieg des unliebsamen Wettbewerbers AWD in Stellung.
Vorstandschef Uwe Schroeder-Wildberg zweifelte am Mittwoch die Logik eines solchen Schritts an. "Jeder Versuch, gegen den Willen von Vorstand, Großaktionären und Beratern einen maßgeblichen Einfluss zu gewinnen, wäre von vornherein sehr fragwürdig", sagte er in einer Telefonkonferenz. Er pochte auf die Unabhängigkeit des Vermittlers von den Versicherern. Im Fall einer Mehrheitsübernahme würde er sein Amt aufgeben, bekräftigte der Vorstandschef des Maklers aus Wiesloch bei Heidelberg, der sich auf die Finanzberatung von Akademiker spezialisiert hat.
Hintergrund der Äußerungen ist ein möglicher Einstieg des Konkurrenten AWD aus Hannover, der seit Anfang dieses Jahres dem Schweizer Versicherungsriesen Swiss Life gehört. Einem Bericht der "Financial Times Deutschland" zufolge ist der zum Schweizer Versicherungskonzern Swiss Life gehörende AWD bereit, MLP notfalls auch gegen dessen Willen zu übernehmen. Größere MLP-Aktienpakete von jeweils rund zehn Prozent halten die schon öfter als Treuhänder für Firmenkäufer aufgetretene Hamburger Bank Berenberg und der US-Vermögensverwalter Harris.
Der Aktienkurs von MLP liegt mit 13,88 Euro mittlerweile auf den höchsten Stand seit mehr als einem Jahr.
MLP-VORSTAND SIEHT RÜCKENDECKUNG VON LAUTENSCHLÄGER
Dreh- und Angelpunkt einer MLP-Übernahme oder eines maßgeblichen Einstiegs ist Großaktionär Manfred Lautenschläger, der das Unternehmen mitgegründet hat. Seine Familie hält mehr als 32 Prozent der Aktien und damit eine Sperrminorität. Weder der Vorstand noch Lautenschläger seien in jüngster Zeit von AWD oder Swiss Life kontaktiert worden, sagte Schroeder-Wildberg, während die "Financial Times Deutschland" von intensiven, aber bislang fruchtlosen Gesprächen geschrieben hatte. Lautenschläger stehe hinter dem Vorstand, sagte Schroeder-Wildberg. MLP habe nur als unabhängiger Makler Erfolg. Deshalb gelte das Unternehmen in der Branche als "attraktives Investment".
Nach langer Talfahrt wird MLP an der Börse noch mit knapp 1,2 Milliarden Euro bewertet. Der Börsenwert schmolz in den vergangenen Monaten ab, da das Altersvorsorgegeschäft und die Finanzdienstleistungen wegen der weltweiten Finanzkrise und drastischer Gesetzesänderungen nicht florierten. Die DZ Bank urteilte, MLP sei hoch bewertet, da für jeden Kundenberater rechnerisch mehr als 450.000 Euro gezahlt werden müssten.
Die am Mittwoch veröffentlichten Geschäftszahlen sind ein Beleg für die Schwäche der Branche und die von MLP. Im zweiten Quartal traten die vor allem aus Provisionen der Versicherer stammenden Gesamterlöse von MLP mit 129,1 Millionen Euro auf der Stelle. Schroeder-Wildberg sagte, das Umfeld sei schwierig, es herrsche Verdrängungswettbewerb. Vor Steuern und Zinsen (Ebit) verdiente das MLP mit 9,5 Millionen Euro gerade noch halb so viel wie vor einem Jahr, da die verschärften Offenlegungspflichten bei Vertragsabschlüssen viel Geld und Zeit für die Umstellung der Informationstechnik und Mitarbeiterschulungen erforderten.
Die Zahl der betreuten Kunden nahm in den Monaten April bis Juni um 11.000 auf 732.000 zu. Die Zahl der MLP-Kundenbetreuer sank um 68 auf 2534.
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