Chinas Vertreter treffen Delegation von Dalai Lama
Shenzhen (Reuters) - Erstmals seit den Unruhen in Tibet haben sich Vertreter der chinesischen Regierung mit Abgesandten des Dalai Lamas getroffen.
Chinas Präsident Hu Jintao sagte vor Beginn der Gespräche am Sonntag, er hoffe, dass die Kontakte mit der Seite des geistlichen Oberhaupts der Tibeter "positive Ergebnisse mit sich bringen". Zugleich erneuerte Hu aber indirekt Vorwürfe gegen den Dalai Lama, wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo berichtete. Das Olympische Feuer, dessen Weg durch 20 Länder vielfach von pro-tibetischen Demonstrationen begleitet worden war, traf unterdessen im chinesischen Kernland ein.
Hu sagte vor Journalisten kurz vor einer geplanten Japan-Reise, er erwarte nicht nur Worte, sondern auch Taten vom Dalai Lama. "Wir hoffen sehr, dass die Seite des Dalai Lamas durch ihre Handlungen zeigen kann, dass sie separatistische Aktivitäten, Anstiftung zur Gewalt und die Sabotage der Olympischen Spiele in Peking tatsächlich eingestellt hat." Dies sei Voraussetzung für eine neue Gesprächsrunde. Seitens der chinesischen Regierung nahmen an dem Treffen zwei rangniedere Parteivertreter teil.
Vorsichtig optimistisch gaben sich die Gesandten des Dalai Lamas vor den Gesprächen in der südchinesischen Metropole Shenzhen: "Wir hoffen, dass die Chinesen es mit den Gesprächen ernst meinen und sich mit den Problemen in Tibet auseinandersetzen wollen", sagte Tenzin Taklha, ein hochrangiger Vertrauter des Dalai Lamas der Nachrichtenagentur Reuters. Er gehe davon aus, dass die Gespräche noch die nächsten zwei Tage andauerten.
Die Regierung in Peking wirft dem im Exil lebenden geistlichen Oberhaupt der Tibeter vor, eine Unabhängigkeit der Region erreichen zu wollen und Drahtzieher der anti-chinesischen Proteste in Tibet gewesen zu sein. Der Friedensnobelpreisträger hat dies zurückgewiesen und wiederholt betont, ihm gehe es nicht um Unabhängigkeit, sondern um kulturelle Autonomie der Tibeter.
Im Vorfeld des Treffens wurde der Dalai Lama erneut von staatlichen Medien angegriffen. Dessen Unterstützer hätten die Unruhen in der tibetischen Hauptstadt Lhasa Mitte März angezettelt, um die Vorbereitungen für die Olympischen Sommerspiele in Peking zu stören, hieß es. Der scharfe Ton ließ bei Experten Zweifel an einer Kompromissbereitschaft Chinas wachsen. Seit 2002 hat es sechs Treffen zwischen China und Gesandten des tibetischen Oberhaupts gegeben. Keines brachte einen Durchbruch.
Mit Begeisterung begleiteten Tausende Chinesen am Sonntag den Beginn des olympischen Fackellaufs durch die Provinzen ihres Landes. "Vorwärts China" riefen am Straßenrand versammelte Menschen, als die Flamme ihren Weg vom Ferienort Sanya in die Provinz Hainan antrat. "Wir sind sehr stolz darauf, die erste Station des Laufs im chinesischen Kernland zu sein", sagte der Chef der Kommunistischen Partei Sanyas vor ausgewählten Würdenträgern. Unter den Fackelträgern war der in Hongkong geborene Action-Star Jackie Chan.
Zuvor war das Feuer bereits durch die chinesischen Besitzungen Hongkong und Macau getragen worden. Auf dem Weg der Flamme über die fünf Kontinente war es immer wieder zu Zwischenfällen und Demonstrationen gegen die Tibet-Politik der chinesischen Regierung gekommen. Der separate Fackelgang zum Gipfel des Mount Everest wurde am Wochenende von Schneefällen erschwert. Die Organisatoren gaben an, sie wüssten selbst nicht, wie lange der Aufstieg noch verzögert werden müsse. Die Bergsteiger mussten bereits seit drei Tagen auf etwa 6500 Metern ausharren.
© Thomson Reuters 2009 Alle Rechte vorbehalten.

