Serbien und Russland planen im Kosovo-Streit Strafen
Belgrad/Moskau (Reuters) - Serbien und Russland wollen auf eine Unabhängigkeitserklärung des Kosovo mit Strafmaßnahmen reagieren.
Neben wirtschaftlichen Sanktionen gegen die südserbische Provinz will die Regierung in Belgrad staatlichen Agenturberichten zufolge ihre Botschafter aus EU-Staaten zurückziehen, die den für Sonntag erwarteten Schritt anerkennen. Russland drohte mit einem Nachspiel in den abtrünnigen Regionen Georgiens, deren Abspaltung international abgelehnt wird.
Serbiens Präsident Boris Tadic sprach von einem entschlossenen Einsatz für die südliche Provinz. "Ich werde den Kampf um unser Kosovo niemals aufgeben, und ich werde mit aller Macht für den Beitritt Serbiens zur Europäischen Union kämpfen", sagte er nach seiner Vereidigung für eine zweite Amtszeit am Freitag. Der nationalistische Ministerpräsident Vojislav Kostunica räumte ein, dass die Unabhängigkeit nicht zu verhindern sei. Er werde sie aber niemals akzeptieren. Zwischen Tadic und Kostunica ist strittig, ob sich die Balkan-Republik weiter nach Europa bewegen soll, falls die EU der Unabhängigkeit des seit acht Jahren von den UN verwalteten Kosovo zustimmt.
Vor dem UN-Sicherheitsrat kündigte Serbien unter anderem Wirtschaftssanktionen gegen die separatistische Provinz an. Ein Einsatz des Militärs sei aber ausgeschlossen, betonte Außenminister Vuk Jeremic in der nicht-öffentlichen Sitzung. Der Versuch, in letzter Minute eine gemeinsame internationale Haltung zu finden, schlug fehl. "Dieser Rat ist blockiert, wie vorher", sagte der US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Alejandro Wolff. Die USA und die meisten Mitglieder der EU unterstützen die Kosovo-Albaner und haben angekündigt, den neuen Staat aus der Erbmasse Jugoslawiens umgehend anzuerkennen.
Die staatliche serbische Nachrichtenagentur Tanjug meldete, die serbischen Botschafter in Deutschland, Frankreich und Großbritannien würden ihren Posten unter Protest verlassen, sollten diese Staaten die Unabhängigkeit des Kosovo am Montag anerkennen. Zudem wird damit gerechnet, dass Serbien der Provinz den Strom abdreht. Die Kosovo-Albaner haben bereits Geld für zusätzliche Energieimporte zur Seite gelegt, damit die Unabhängigkeit ohne größere Störungen gefeiert werden kann.
Die 120.000 Mitglieder zählende serbische Minderheit im Kosovo verlangte ein eigenes Parlament, das nach serbischen Gesetzen gewählt wird. "Wir bleiben Teil des serbischen Staates", erklärte Minderheitenchef Marko Jaksic in der geteilten Stadt Mitrovica.
Russland kündigte Konsequenzen für die georgischen Streitfälle an: "Die Erklärung und Anerkennung der Unabhängigkeit des Kosovo wird Russland dazu zwingen, seine Strategie bei Abchasien und Süd-Ossetien anzupassen", zitierte die Nachrichtenagentur Interfax am Freitag das Außenministerium in Moskau. Russland hatte seine Ablehnung der Loslösung der Provinz von Serbien damit begründet, dass damit ein Präzedenzfall für andere separatistische Bewegungen geschaffen werde. Offen blieb zunächst, ob Russland Süd-Ossetien und Abchasien diplomatisch anerkennen will.
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