Zeuge: Mutmaßlicher Kofferbomber sympathisierte mit Al Kaida

Dienstag, 26. Februar 2008, 17:18 Uhr
 

Düsseldorf (Reuters) - Ein Zeuge hat den mutmaßlichen Kofferbomber Youssef Mohamad a.-H.D. als radikalen Moslem und Al-Kaida-Sympathisanten beschrieben.

Er habe zuvor niemanden mit einem derart intensiven Glauben getroffen, sagte der 23-jährige Student am Dienstag vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Die Anschläge vom 11. September 2001 hätten D. gefallen, und Osama Bin Laden sei sein Idol gewesen, sagte der Zeuge, der D. auf einem Kieler Studienkolleg kennengelernt hatte und im gleichen Wohnheim wohnte.

D. sei bereit gewesen, in den Irak zu gehen und im Heiligen Krieg zu kämpfen, sagte der marokkanische Zeuge. Nach dem Tod des irakischen Al-Kaida-Führers Abu Mussab al-Sarkawi habe D. geweint. "Der Irak war sein großes Thema, für sein Studium hat er sich dagegen überhaupt nicht interessiert." Auch mit der westlichen Lebensart habe der Angeklagte große Schwierigkeiten gehabt. So habe D. Frauen nicht die Hand gegeben und Musik und Alkohol für Teufelszeug gehalten. Er selbst sei zeitweise die einzige Bezugsperson D's in Kiel gewesen.

Seine radikale Einstellung habe D. wohl aus dem Libanon mitgebracht. So habe er ihm von einer schwarzen Fahne auf dem Wohnungsdach seiner Familie erzählt, die den Heiligen Krieg symbolisiere, sagte der Zeuge. D. grinste bei den Ausführungen seines ehemaligen Studienkollegen mehrfach. Als der Richter ihn darauf ansprach, sagte er: "Ich habe gelacht, weil er mehrere Dinge falsch verstanden hat. Er ist ja kein Psychoanalytiker, der mich beurteilen könnte."

D. hatte ausgesagt, dass ihn die Anschläge vom 11. September nicht beschäftigt hätten. Er sei erst in Deutschland in Glaubensfragen überzeugter geworden, weil ihn das seelisch zufrieden gemacht habe.

Der 23-jährige D. steht seit Dezember wegen versuchten Mordes vor Gericht. Ihm wird vorgeworfen, am 31. Juli 2006 in Köln zusammen mit seinem Komplizen Jihad H. Bombenanschläge auf zwei Regionalzüge versucht zu haben. Beide Männer sollen in Koffer verpackte Gasbehälter mit Zeitzündern in den Zügen deponiert haben. Wegen eines Konstruktionsfehlers gingen die Bomben aber nicht hoch. Eine Explosion hätte in beiden Fällen nach Ansicht von Experten zahlreiche Menschen in den Tod reißen können. Der im Libanon bereits in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilte D. hat ausgesagt, er habe die Bomben so gebaut, dass sie nicht explodieren konnten.