USA entdecken Pfandbrief als sichere Finanzquelle
Washington (Reuters) - Die USA setzen im Kampf gegen die Immobilienkrise auf Pfandbriefe nach deutschem Vorbild.
Das US-Finanzministerium und die größten Banken wollen mit diesen als relativ sicher geltenden Papieren, die in den USA bislang weitgehend unbekannt sind, dem fast ausgetrockneten Markt für Hypotheken-Finanzierungen neues Leben einhauchen. "Der Schlüssel für eine Erholung der US-Wirtschaft ist ein Wendepunkt bei der Immobilienfinanzierung und den Hauspreisen", erklärte Finanzminister Henry Paulson am Montagabend. Ohne einen funktionierenden Markt für Hypotheken-Finanzierungen werde dies jedoch nicht gelingen - und Pfandbriefe seien ein vielversprechendes Heilmittel.
Bislang wurde der US-Immobilienmarkt fast ausschließlich durch Anleihen am Laufen gehalten, die mit Hypotheken als Sicherheiten unterlegt sind. Dieser Markt kam jedoch fast zum Erliegen, weil die berüchtigten Anleihen seit Beginn der Finanzkrise kaum noch Abnehmer finden - verängstigte Investoren wollen sie nicht mehr im Portfolio haben, seit sich Zahlungsausfälle bei den Hypotheken häufen.
Im Gegensatz zu diesen Anleihen, bei denen die Ausfallrisiken an den Investor weitergegeben werden, verbleibt bei Pfandbriefen das Risiko bei der Bank. Sie sind daher eine vergleichsweise sichere Refinanzierungsquelle - vorausgesetzt, die ausgebende Bank bleibt zahlungsfähig.
Die Bank of America, die Citigroup, JPMorgan Chase und Wells Fargo wollen schon bald mit der Emission von Pfandbriefen - in den USA "Covered Bonds" genannt - beginnen. Um dem Markt einen guten Start zu ermöglichen, veröffentlichte das Finanzministerium eine Reihe von Richtlinien. Auch die US-Notenbank Fed zählt zu den Unterstützern des Plans. Sie will die Pfandbriefe als Sicherheit anerkennen. Fed-Gouverneur Kevin Warsh bezeichnete Covered Bonds als "eine Innovation, die die gebeutelten Kreditmärkte wiederbeleben könnte".
Der internationale Markt für Covered Bonds beläuft sich auf rund zwei Billionen Euro. Davon entfällt rund die Hälfte auf Deutschland. Die Bank of America äußerte die Hoffnung, dass sich das Pfandbrief-Volumen in den USA irgendwann auf etwa eine Billion Dollar belaufen könnte. Der gesamte Hypothekenmarkt in den USA hat ein Volumen von elf Billionen Dollar.
Der Verband Deutscher Pfandbriefbanken (VDP) äußerte die Hoffnung, dass auch der hiesige Markt längerfristig von der Emission der Papiere in den USA profitieren wird. "Der US-Plan ist gut für das Image dieser Asset-Klasse", sagte VDP-Hauptgeschäftsführer Louis Hagen. Bislang hätten US-Investoren vor allem aus Unkenntnis die Finger von europäischen Pfandbriefen gelassen. Hagen mahnte die US-Behörden jedoch, hohe Qualitätsanforderungen an die dortigen Pfandbriefe zu stellen. "Ich sehe die Gefahr, dass US-Immobilien dabei noch immer zu hoch bewertet werden." Hagen bedauerte, dass die US-Behörden nicht zuvor Rat in Deutschland gesucht haben - etwa bei der Finanzaufsicht BaFin oder dem Finanzministerium.
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