Milliarden der Zentralbanken überschwemmen Geldmarkt

Mittwoch, 19. Dezember 2007, 17:45 Uhr
 

Frankfurt/Washington/Zürich (Reuters) - Das Geld der Zentralbanken überschwemmt die Märkte in Nordamerika und Europa. Dabei ist der Dollar-Engpass am Geldmarkt offenbar besonders groß.

Wie die Zentralbanken der USA, der Euro-Zone und der Schweiz am Mittwoch mitteilten, wurden bei mehreren Auktionen zur Verhinderung einer Liquiditätsklemme am Dollar-Geldmarkt deutlich mehr Mittel nachgefragt als angeboten worden waren. Die in der vergangenen Woche angekündigten Auktionen sind Teil der ersten gemeinsamen großen Aktion der Zentralbanken zur Linderung der Verspannungen am Geldmarkt seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York.

Die US-Notenbank Federal Reserve erklärte am Nachmittag, sie habe bei einer Auktion von 20 Milliarden Dollar Zentralbankgeld Gebote über 61,6 Milliarden Dollar erhalten. Auch die Notenbank der Schweiz konnten die Nachfrage nicht befriedigen. Sie hatte vier Milliarden Dollar offeriert und Gebote über 17 Milliarden Dollar erhalten. Ähnlich ist das Bild auch in der Euro-Zone: Die Europäische Zentralbank (EZB) teilte mit, für den am Freitag vergangener Woche ausgeschriebenen Dollar-Tender über zehn Milliarden Dollar seien Gebote über mehr als 22 Milliarden Dollar eingegangen. Die EZB hatte am Freitag zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Geschäftsbanken Dollar angeboten.

Am Mittwoch startete sie die zweite Aktion dieser Art und kündigte einen weiteren Tender über abermals zehn Milliarden Dollar an. Die Ergebnisse der Auktion sollen am Freitag veröffentlicht werden. Gutgeschrieben werden die zugeteilten Beträge am 27. Dezember, das Geschäft läuft bis zum 31. Januar.

NOTENBANK-AKTION GEHT WEITER

Die EZB beteiligt sich an der vergangene Woche von führenden westlichen Zentralbanken gestarteten konzertierten Aktion zur Beruhigung der angespannten Lage an den Geldmärkten. Dabei springen die Notenbanken der Euro-Zone, der Schweiz, Großbritanniens und Kanadas der US-Zentralbank Federal Reserve zur Seite und stellen dem Markt in deren Auftrag Dollar zur Verfügung.

Der Engpass ist entstanden weil sich wegen der von den USA ausgehenden Kreditkrise immer weniger Banken untereinander Geld leihen und der Geldmarkt auszutrocknen droht. Deshalb pumpen die Notenbanken seit dem Spätsommer Milliardensummen in das System, um eine Schieflage zu verhindern. Vor dem Jahresultimo ist die Lage am Geldmarkt schon in normalen Jahren angespannt.

Die Fed hatte bereits in der Vergangenheit über eine Senkung des Diskontsatzes, zu dem sich Banken bei ihr über Nacht Geld leihen können, versucht, die Lage zu entspannen. Dies war jedoch nicht befriedigend angenommen worden. Sie hatte deshalb vergangene Woche eine neue Refinanzierungsmöglichkeit geschaffen, über die sich Banken leichter Geld beschaffen können.

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