Clinton erleidet in Iowa herbe Niederlage gegen Obama

Freitag, 4. Januar 2008, 17:12 Uhr
 

Des Moines/Manchester (Reuters) - Im Kampf um die US-Präsidentschaftskandidatur der Demokraten hat der schwarze Senator Barack Obama seiner schärfsten Rivalin Hillary Clinton eine herbe Niederlage verpasst.

Beim Auftakt der Vorwahlen setzte sich der 46-Jährige in Iowa deutlich gegen die ehemalige First Lady durch und sorgte damit für eine faustdicke Überraschung, zumal Clinton auch noch hinter dem früheren Südstaaten-Senator John Edwards nur auf Platz drei landete. Auf der 60-Jährigen, die lange als klare Favoritin galt, lastet nun immenser Druck, die nächste Etappe am Dienstag in New Hampshire zu gewinnen. Anderenfalls steht es schlecht um ihre Chance, zur Kandidatin gekürt zu werden und im November für die Demokraten bei der Wahl des Nachfolgers von Präsident George W. Bush anzutreten.

Auch bei den Vorwahlen der Republikaner gab es einen überraschenden Gewinner: Der vor wenigen Wochen noch nahezu unbekannte Baptistenprediger Mike Huckabee sackte am Donnerstag einen Sieg in Iowa ein und schlug den Ex-Gouverneur von Massachusetts, Mitt Romney, unerwartet klar.

Amerika stehe vor einem Wechsel, rief Obama Tausenden jubelnden Anhängern in Des Moines zu, nachdem das Ergebnis der Abstimmung in dem Agrarstaat feststand. Der Senator aus Illinois erhielt 38 Prozent der Stimmen, Edwards kam auf 30 Prozent, einen Punkt dahinter folgte Clinton. "Ich denke, das war ein Omen für das, was im ganzen Land passieren wird", sagte Obama am Freitagmorgen auf seinem Weiterflug von Iowa ins etwa 2000 Kilometer entfernte New Hampshire.

Auch die anderen Bewerber läuteten in dem Ostküsten-Staat die nächste Runde des Vorwahlmarathons ein. Huckabee sagte, er wisse, dass es schwer werde, seinen Erfolg zu wiederholen. "Aber wer weiß, vielleicht schaffen wir's." Seinen Sieg in Iowa feierte er zuvor als Anbruch eines neuen Tages in der US-Politik. "Heute haben wir bewiesen, dass die amerikanische Politik noch in den Händen von Leuten wie Ihnen liegt", rief der frühere Gouverneur von Arkansas seinen Wählern zu. Er erzielte 34 Prozent der Stimmen, acht Punkte mehr als der Multimillionär Romney, der deutlich mehr Geld in den Wahlkampf gesteckt hatte. Abgeschlagen dahinter rangierten der Senator John McCain und der frühere Schauspieler Fred Thompson. New Yorks Ex-Bürgermeister Rudolph Giuliani hatte sich in Iowa wegen seiner für einen Republikaner vergleichsweise liberalen Einstellungen ohnehin kaum Chancen ausgerechnet. Huckabee konnte hingegen gerade bei strenggläubigen Wählern punkten. In New Hampshire dürfte er es aber schwerer haben, da dort weniger Evangelikale leben.

Obama überzeugte vor allem junge Wähler, aber er schaffte es auch, mehr Frauen als Clinton mitzureißen. Der Sohn eines Kenianers und einer weißen US-Bürgerin gewann zudem in einem Bundesstaat, in dem weniger als drei Prozent der Bevölkerung Schwarze sind. Obama wäre der erste farbige Präsident der USA.

"ANTI-WASHINGTON-VOTUM"

Spätestens mit dem Ergebnis der Abstimmung in Iowa ist Obama der Bewerber, den es bei den Demokraten zu schlagen gilt. Er habe nun eine "reelle Chance", bei den nächsten Vorwahlen gegen Clinton an Boden zu gewinnen, sagte der Amerika-Experte der Bundesregierung, Karsten Voigt, in einem Reuters-Interview am Freitag. Die Senatorin aus New York sei aber keineswegs geschlagen. Clinton selbst gab sich trotz des Rückschlags zuversichtlich. "Wir haben immer gesagt, dass unser Wahlkampf auf das ganze Land ausgerichtet ist", betonte sie. Ihr Chefstratege Mark Penn sagte, er sei sich sicher, dass es bei den kommenden Vorwahlen wieder mehr darum gehe, wer auf die größere Erfahrung verweisen könne.

Clinton ist seit den 70er Jahren in der Politik aktiv und hat selbst immer wieder betont, als einzige im Bewerberfeld der Demokraten vom ersten Tag an regieren zu können. Von dem erst seit wenigen Jahren als Senator amtierenden Obama erhoffen sich hingegen Anhänger, dass er verkrustete Strukturen in Washingtons Establishment aufbricht. Ähnliches gilt auch für Huckabee. Insofern stehe das Ergebnis von Iowa auch für ein "Anti-Washington-Votum", sagte Voigt.

Nach einer am Freitag veröffentlichten Umfrage von Reuters, C-Span und Zogby führt Clinton in New Hampshire klar vor Obama und Edwards. McCain lag bei den Republikanern vor Romney. Allerdings wurde die Erhebung vor Bekanntwerden des Ergebnisses in Iowa erstellt, das Obama und Huckabee Rückenwind verleihen dürfte. Sollten sie auch noch New Hampshire gewinnen, können sie sich berechtigte Hoffnungen machen, im Sommer auf den Nominierungsparteitagen auch zum Präsidentschaftskandidaten gekürt zu werden.

 
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