Obama ist erster schwarzer US-Präsidentschaftskandidat
Denver (Reuters) - In einem historischen Schritt hat die Demokratische Partei Barack Obama zum ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten der USA nominiert.
Als Zeichen der Geschlossenheit traf der Parteitag in Denver die Entscheidung in der Nacht zum Donnerstag per Handzeichen und versuchte damit die Gräben des erbitterten Vorwahlkampfes zu überwinden. Der frisch gekürte Kandidat wollte sich in der Nacht zum Freitag (MESZ) mit einer als bodenständig angekündigten Rede an die Nation wenden. Sein Auftritt vor 75.000 Anhängern in einem Football-Stadion fiel auf den 45. Jahrestag der "I have a dream"-Rede von Martin Luther King.
Die 4000 Delegierten feierten ihren Beschluss zur Nominierung Obamas mit großem Jubel und skandierten dessen Wahlslogan "Yes we can". Obama wirbt für einen grundlegenden Wandel der Großmacht und will außenpolitisch enger mit den europäischen Verbündeten zusammenarbeiten als es aus der Sicht der Demokraten die republikanische Regierung in den acht Jahren unter George W. Bush getan hat.
Vor der Nominierung Obamas demonstrierten Hillary und Bill Clinton demonstrativ ihre Unterstützung für den Senator aus Illinois, dem sie noch während der parteiinternen Vorwahl die Qualifikation für das höchste Staatsamt abgesprochen hatten. Obama selbst trat nur kurz auf. Von seinem republikanischen Rivalen John McCain wird am Freitag der politische Gegenschlag erwartet.
Der Parteitag in Denver begann zunächst mit einer formellen Abstimmung über die beiden Kandidaten Obama und Hillary Clinton. Die 60-Jährige unterbrach die Wahl aber frühzeitig und rief die Partei zu dem vereinfachten Verfahren auf: "Mit dem Blick fest auf die Zukunft gerichtet, im Geist der Einheit, mit dem Ziel zu siegen, im Glauben an unsere Partei und unser Land: Lasst uns gemeinsam heute und jetzt mit einer Stimme erklären, dass Barack Obama unser Kandidat ist und unser Präsident sein wird", forderte sie.
Als die Parteitagsvorsitzende Nancy Pelosi, Präsidentin des US-Repräsentantenhauses, schließlich die Nominierung verkündete, rissen Obamas Anhänger die Arme hoch, jubelten und tanzten. Sie schwenkten Plakate mit den Namen des Kandidaten und seines designierten Vize Joe Biden und winkten in Massen mit amerikanischen Fahnen.
BILL CLINTON - AUCH MICH NANNTE MAN ZU UNERFAHREN
Der ehemalige Präsident Bill Clinton wurde vor seiner Rede mit minutenlangem Jubel begrüßt. "Barack Obama ist bereit, Amerika zu führen und die amerikanische Führung in der Welt wiederherzustellen", rief er der Menschenmenge zu. Clinton ging insbesondere auf den Vorwurf ein, Obama sei zu unerfahren. "Klingt das bekannt?" fragte er die Delegierten. Auch ihm habe man 1992 vorgeworfen, für die Präsidentschaft nicht geeignet zu sein. Die Clintons haben 16 Jahre lang eine zentrale Rolle bei den Demokraten geführt. Der Parteitag sollte nicht zuletzt die beiden Lager versöhnen, die sich in den vergangenen Monaten bis auf Messer bekämpft hatten.
Obama hat auf dem Parteitag vier Jahre zuvor mit einer viel beachteten Rede seinen ersten großen Schritt in die Bundespolitik gemacht. Der Präsidentschaftskandidat ist Sohn eines kenianischen Vaters und einer Mutter aus Kansas. Seine Nominierung gilt als weiterer Schritt der Emanzipation schwarzer US-Bürger. Sie stellen etwa zwölf Prozent der amerikanischen Bevölkerung, hinken in vielen Bereichen wie Bildung und Durchschnittseinkommen aber hinterher. Fortsetzung...

